Gebundene neoklassische Morpheme im Französischen und Italienischen unter Einbeziehung des Deutschen
摘要
Neoklassische Sprachbausteine sind heute z.T. Bestandteile der Standardsprache. Im Deutschen sind sie mittlerweile als Morphemkategorie Konfix in Standardwerken verzeichnet. Alle germanistischen Diskussionen wurden ohne Bezug auf Martinets ursprünglichen Entwurf des Konzepts geführt. Das Konfix hat zudem eine längere Vorgeschichte in verschiedenen Traditionen. In der französischen Linguistik und Lexikografie sind die Termini und das Konzept, abgesehen von Ausnahmen (z.B. Hong 1997), nicht gebräuchlich. Morphologisch sind die entsprechenden Entlehnungen im Französischen durch eine etymologisierende Schreibweise gekennzeichnet. Für das Italienische ist die Situation eine andere: Tullio De Mauro hat confisso und confissazione lemmatisiert (GRADIT). Iacobini (2015) behandelt Konfixe im Rahmen der Fremdwortbildung, wobei er die betreffenden gebundenen Morpheme als combining forms benennt. Adamo / Della Valle (2008; 2017) haben für ihre Studien zwar die Terminologie confisso/confissazione übernommen, sind jedoch bisweilen inkongruent. Bis heute präsent sind die Benennungen prefissoide/suffissoide von Migliorini (1963b). Im Unterschied zum Französischen werden Konfixe im Italienischen (wie im Übrigen auch im Spanischen) orthografisch angepasst.