Gemeinsam den Text zur Welt bringen
摘要
Der von ihrem Beginn beim platonischen Sokrates her todesverliebten, will sagen: thanatologisch orientierten abendländischen Philosophie ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts mit Recht eine natologische Wende attestiert worden, also ein Perspektivenwechsel vom Ende des Lebens hin zu dessen Anfang. Im weiteren Bemühen darum, die Konsequenzen dieser Entwicklung für den Bereich der Literaturwissenschaft und hier insbesondere der Literaturdidaktik auszubuchstabieren, stellt der Beitrag vor dem Hintergrund des Bandthemas Kunst oder Leben? zwei wichtige Dimensionen dessen vor, was ästhetisches Lernen unter solcherart natologisch gewendeten Bedingungen – man könnte auch von einer mäeutischen Literaturdidaktik sprechen – bedeuten würde, und zwar (gemäß der Analogie Kunst ~ Text bzw. Leben ~ Welt): (1) den Text zur Welt bringen – der natologische Aspekt literarischen Lesens; (2) die Welt zum Text bringen – der natologische Aspekt der Literaturdidaktik.