Über die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in den Jahren 2000 bis 2007 wurde und wird nicht nur journalistisch und dokumentarisch berichtet, auch Literatur, Film, Theater, Hörspiel etc. beschäftigen sich mit den Tätern, Opfern und Ermittlern im Kontext rechter Gewalt. Während fiktionale Formate einen Stoff beispielsweise individualisieren oder emotionalisieren, perspektivieren oder subjektivieren können, sind satirische oder parodistische Bearbeitungen darüber hinaus oftmals mit einer Provokation verbunden. In Tuğsal Moğuls Auch Deutsche unter den Opfern (2017) und Kathrin Rögglas Verfahren (2020) steht die Verfremdung im Vordergrund, Saal 101 (2021) verfolgt hingegen einen dokumentarischen Ansatz. Die genannten Hörspiele werden zunächst aus einer analytischen, dann aus einer didaktischen Perspektive untersucht. Vor allem Momente der Irritation werden dabei als Potentiale für den Unterricht begriffen, die zur Recherche auffordern und zu Diskussionen anregen können. Medienästhetische Reflexionen sind in diesem Zusammenhang ebenso bedeutsam wie Erinnerung und Empathie. Letztlich geht es darum, die besonderen Möglichkeiten fiktionaler (Hör-)Texte im Kontext politischer Bildung zu diskutieren und eine Beschäftigung (auch) im Deutschunterricht anzuregen.

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NSU und rechte Gewalt im Hörspiel

  • Andreas Wicke

摘要

Über die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in den Jahren 2000 bis 2007 wurde und wird nicht nur journalistisch und dokumentarisch berichtet, auch Literatur, Film, Theater, Hörspiel etc. beschäftigen sich mit den Tätern, Opfern und Ermittlern im Kontext rechter Gewalt. Während fiktionale Formate einen Stoff beispielsweise individualisieren oder emotionalisieren, perspektivieren oder subjektivieren können, sind satirische oder parodistische Bearbeitungen darüber hinaus oftmals mit einer Provokation verbunden. In Tuğsal Moğuls Auch Deutsche unter den Opfern (2017) und Kathrin Rögglas Verfahren (2020) steht die Verfremdung im Vordergrund, Saal 101 (2021) verfolgt hingegen einen dokumentarischen Ansatz. Die genannten Hörspiele werden zunächst aus einer analytischen, dann aus einer didaktischen Perspektive untersucht. Vor allem Momente der Irritation werden dabei als Potentiale für den Unterricht begriffen, die zur Recherche auffordern und zu Diskussionen anregen können. Medienästhetische Reflexionen sind in diesem Zusammenhang ebenso bedeutsam wie Erinnerung und Empathie. Letztlich geht es darum, die besonderen Möglichkeiten fiktionaler (Hör-)Texte im Kontext politischer Bildung zu diskutieren und eine Beschäftigung (auch) im Deutschunterricht anzuregen.