Einleitung
摘要
Wenn eine Linguistin mit Interesse an Übersetzungsfragen und ein Literaturwissenschaftler mit ähnlicher Neigung aufeinandertreffen, liegt ein gemeinsames Projekt nahe. Wenn dies zudem in einem philologischen Fach und mit universitärer Verankerung geschieht, bietet es sich an, den Bogen zur Lehre zu schlagen und curriculare Fragen mit aufzugreifen. Genau diese Umstände kamen im Frühjahr 2022 an der Universität Bern in der Slavistik zusammen: Ein Gespräch über theoretische Fragen und die Praxis des Übersetzens begann, und wir stellten erste Überlegungen zu möglichen Aktivitäten an. Es entstand die Idee, durch das Übersetzen literarischer Texte eine neue Brücke zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft zu bauen und damit aktuellen Fragen der slavistischen Ausbildung zu begegnen. Aus unserer Sicht bietet sich das literarische Übersetzen als ideale Schnittmenge der infolge der Spezialisierung seit Jahrzehnten auseinanderstrebenden slavistischen Ausbildungsbereiche an. Denn hier kommen praktische Sprachausbildung, linguistische Analyse und literarische Interpretation zusammen. In dieser Kombination wird eine intensive Auseinandersetzung mit sprachlichen Strukturen, Text und kulturgeschichtlichen Kontexten ermöglicht. Zugleich werden grundlegende fremdsprachliche Lesetechniken gefördert.1