Heilige Frauen, Ehe und Selbstbestimmung im Spätmittelalter
摘要
Anhand von drei Frauen, die im späten Mittelalter als Heilige verehrt wurden, gibt dieser Beitrag einen Einblick in die Vielfältigkeit von mittelalterlichen Vorstellungen von Heiligkeit und Weiblichkeit. Kunigunde von Luxemburg (gest. 1033), die nach dem Tod ihres Ehemanns Kaiser Heinrich II. ins Kloster eingetreten war, wurde als Nonne verehrt, aber auch für ihre politische Autorität und ihr Verantwortungsbewusstsein als Kaiserin. Gemeinsam mit Heinrich wurde sie zudem als Gründerin und Schutzpatronin der Stadt Bamberg verehrt. Elisabeth von Thüringen (gest. 1227) stellte sich den Legenden zufolge mit unerschütterlicher Entschlossenheit, starkem Willen und dem Wunsch, ihr Leben ganz Gott zu widmen, gegen verschiedene gesellschaftliche Normen. Sie war Ehefrau, Mutter und Witwe, handelte aber in allen drei Rollen entgegen allgemeinen Erwartungen. Delphina von Signe (gest. 1360) wurde trotz ihrer Ehe mit Eleazar von Sabrano als Jungfrau verehrt. Während ihres langen Lebens war sie zudem eng mit verschiedenen Gesellschaftsschichten der Provence verbunden und wurde für ihren positiven Einfluss auf andere Menschen und ihre Intelligenz sowie die Klarheit ihrer Worte bewundert. Die Karrieren aller drei Frauen wurden im Kontext ihrer angenommenen Heiligkeit überhöht dargestellt, aber ebendiese Darstellungen geben Einblicke in die Vielschichtigkeit verschiedener mittelalterlicher Vorstellungswelten. Kunigunde, Elisabeth und Delphina waren durch gesellschaftliche Normen und Erwartungen gebunden, brachen jedoch auch mit ihnen. Die Mischung aus Restriktionen, besonders in Bezug auf die Ehe, und Selbstbestimmung wird so zu einem zentralen Merkmal der Heiligenlegenden aller drei Frauen.