Der Aufsatz untersucht die Poetik der Auslassungspunkte bei Ivan Bunin (1870–1953), dem ersten russischen Nobelpreisträger für Literatur. Ausgehend von der Schnittstelle zwischen Linguistik und Literaturwissenschaft wird gezeigt, dass Interpunktion – häufig unterschätzt oder gar in Übersetzungen getilgt – ein zentrales stilistisches und ästhetisches Element in Bunins Werk darstellt. Anhand dreier exemplarischer Texte aus Prosa, Reiseerzählungen und Lyrik wird verdeutlicht, wie die Auslassungspunkte nicht nur als Strukturierungs- und Atempausen fungieren, sondern emotionale Verdichtungen, Übergänge und Erinnerungsprozesse markieren. In den „Antonäpfeln“ etwa rhythmisieren sie den Erinnerungsstrom; in den Reisebildern strukturieren sie Eindrücke und Emotionen; in der späten Lyrik verweisen sie auf das Unaussprechbare. Die Studie macht deutlich, dass Bunins bewusster Umgang mit Interpunktion integraler Bestandteil seines künstlerischen Ausdrucks ist und plädiert für eine stärkere Beachtung solcher „kleinen Zeichen“ in literaturwissenschaftlicher Forschung und Übersetzungspraxis.

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Zur Poetik der Auslassungspunkte bei Ivan Bunin

  • Holger Gemba

摘要

Der Aufsatz untersucht die Poetik der Auslassungspunkte bei Ivan Bunin (1870–1953), dem ersten russischen Nobelpreisträger für Literatur. Ausgehend von der Schnittstelle zwischen Linguistik und Literaturwissenschaft wird gezeigt, dass Interpunktion – häufig unterschätzt oder gar in Übersetzungen getilgt – ein zentrales stilistisches und ästhetisches Element in Bunins Werk darstellt. Anhand dreier exemplarischer Texte aus Prosa, Reiseerzählungen und Lyrik wird verdeutlicht, wie die Auslassungspunkte nicht nur als Strukturierungs- und Atempausen fungieren, sondern emotionale Verdichtungen, Übergänge und Erinnerungsprozesse markieren. In den „Antonäpfeln“ etwa rhythmisieren sie den Erinnerungsstrom; in den Reisebildern strukturieren sie Eindrücke und Emotionen; in der späten Lyrik verweisen sie auf das Unaussprechbare. Die Studie macht deutlich, dass Bunins bewusster Umgang mit Interpunktion integraler Bestandteil seines künstlerischen Ausdrucks ist und plädiert für eine stärkere Beachtung solcher „kleinen Zeichen“ in literaturwissenschaftlicher Forschung und Übersetzungspraxis.