Dieser Beitrag geht der Frage nach, wie sich mündliche Sprachdaten gewinnen lassen, die narrativ, kohärent und vergleichbar sind und im Idealfall im Präteritum stehen. Dafür wird zunächst auf theoretischer Ebene diskutiert, nach welchen Kriterien Narrativität zu bestimmen ist und worin sich die hier betrachteten narrativen sprachlichen Produkte Bildbeschreibung, Bildergeschichte und biografische Erzählung unterscheiden. Anschließend erfolgt eine Übertragung in die Empirie. Daten von 110 russisch-, polnisch- und deutschsprachigen Sprecher*innen aus vier narrativen Aufgabentypen (die o. g., mit einer Subklassifizierung der Bildergeschichten nach Adressaten) werden hinsichtlich temporaler Formen und des Einstiegs in die Narration kontrastiv im Sprach- und Aufgabenvergleich untersucht. Die Analysen zeigen: Biografische Erzählungen sind durchgängig präterital, Bildbeschreibungen präsentisch, Bildergeschichten hingegen stark durch Sprache und Aufgabenstellung geprägt. In der Spezifizierung, sie an ein (imaginäres) Kind zu adressieren erweisen sie sich als stärker narrativ. Sie bieten damit – bei Beachtung sprachspezifischer Ausprägung – das größte Potenzial zur Erhebung narrativer Sprachdaten.

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Wie „narrativ“ sind Erzählungen von Bildergeschichten?

  • Katrin B. Karl

摘要

Dieser Beitrag geht der Frage nach, wie sich mündliche Sprachdaten gewinnen lassen, die narrativ, kohärent und vergleichbar sind und im Idealfall im Präteritum stehen. Dafür wird zunächst auf theoretischer Ebene diskutiert, nach welchen Kriterien Narrativität zu bestimmen ist und worin sich die hier betrachteten narrativen sprachlichen Produkte Bildbeschreibung, Bildergeschichte und biografische Erzählung unterscheiden. Anschließend erfolgt eine Übertragung in die Empirie. Daten von 110 russisch-, polnisch- und deutschsprachigen Sprecher*innen aus vier narrativen Aufgabentypen (die o. g., mit einer Subklassifizierung der Bildergeschichten nach Adressaten) werden hinsichtlich temporaler Formen und des Einstiegs in die Narration kontrastiv im Sprach- und Aufgabenvergleich untersucht. Die Analysen zeigen: Biografische Erzählungen sind durchgängig präterital, Bildbeschreibungen präsentisch, Bildergeschichten hingegen stark durch Sprache und Aufgabenstellung geprägt. In der Spezifizierung, sie an ein (imaginäres) Kind zu adressieren erweisen sie sich als stärker narrativ. Sie bieten damit – bei Beachtung sprachspezifischer Ausprägung – das größte Potenzial zur Erhebung narrativer Sprachdaten.