„From Insight to Impact“ – das Motto der Universität St. Gallen kann sehr gut auch auf die Informalitätsforschung angewendet werden. Zwei Texte, die diesen Bereich revolutioniert haben, erschienen in den 1970er Jahren fast zeitgleich: der Aufsatz des britischen Anthropologen Keith Hart1 über informelle Beschäftigungsmodelle am Beispiel der ghanaischen Hauptstadt Accra (= insight) sowie der Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation2 über den informellen Sektor in Kenia (= impact). Definiert als ein übergreifendes Konzept, das auf die soziale und kulturelle Komplexität im Zusammenhang mit der Undurchschaubarkeit sozialer Phänomene für Außenstehende verweist, sei es in Form von ungeschriebenen Gesetzen, offenen Geheimnissen oder informellen Praktiken3, wurde Informalität sehr lange als Besonderheit der sogenannten „Dritten Welt“ oder der „zweiten Wirtschaft“ im Rahmen der Planwirtschaft bezeichnet bzw. als Abweichung in Industrieländern untersucht4. Heute herrscht Einigkeit unter Expertinnen und Experten darüber, dass Informalität in der einen oder anderen Form alle Prozesse des sozialen und politischen Lebens begleitet und ein integraler Bestandteil aller Gesellschaften ist5.

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Zwischen Fiktion und Realität

  • Elena Denisova-Schmidt

摘要

„From Insight to Impact“ – das Motto der Universität St. Gallen kann sehr gut auch auf die Informalitätsforschung angewendet werden. Zwei Texte, die diesen Bereich revolutioniert haben, erschienen in den 1970er Jahren fast zeitgleich: der Aufsatz des britischen Anthropologen Keith Hart1 über informelle Beschäftigungsmodelle am Beispiel der ghanaischen Hauptstadt Accra (= insight) sowie der Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation2 über den informellen Sektor in Kenia (= impact). Definiert als ein übergreifendes Konzept, das auf die soziale und kulturelle Komplexität im Zusammenhang mit der Undurchschaubarkeit sozialer Phänomene für Außenstehende verweist, sei es in Form von ungeschriebenen Gesetzen, offenen Geheimnissen oder informellen Praktiken3, wurde Informalität sehr lange als Besonderheit der sogenannten „Dritten Welt“ oder der „zweiten Wirtschaft“ im Rahmen der Planwirtschaft bezeichnet bzw. als Abweichung in Industrieländern untersucht4. Heute herrscht Einigkeit unter Expertinnen und Experten darüber, dass Informalität in der einen oder anderen Form alle Prozesse des sozialen und politischen Lebens begleitet und ein integraler Bestandteil aller Gesellschaften ist5.