Translationsgeschichte schreiben
摘要
Translation ist eine Form der transkulturellen Kommunikation (vgl. Schippel 2020) und zumeist ein interlingualer Prozess (wie von Roman Jakobson beschrieben), bei dem auf Grundlage eines Ausgangstextes ein Zieltext entsteht, wie es Otto Kade ausdrückte. Der interlinguale Prozess der Translation ist mehrsprachig und schließt oft zwei, häufig aber auch mehrere Sprachen ein. Formen der intralingualen Translation sind für diese Arbeit nicht von primärem Interesse. Zudem beschränke ich mich vorrangig auf Gegenstandsgeschichte schriftlicher Translation, wobei viele der theoretischen Überlegungen hoffentlich für einen breiten Translationsbegriff von Relevanz sind. In Hinblick auf die vorliegende Arbeit und das damit verknüpfte Forschungsinteresse möchte ich folgende Aspekte von Translation hervorheben: Eine translatorische Handlung – im späteren Verlauf der Arbeit spreche ich hier mit Bezug auf Julia Richter (2020, 147) von einem Translationsereignis – ist immer interessegeleitet, situativ eingebettet und bringt (zumeist) als Produkt ein Translat hervor (eine Übersetzung, einen Zieltext). Die Intentionalität oder intendierte Funktion der Beteiligten, sei es Auftraggeber:in, Autor:in, Translator:in, Herausgeber:in etc., ist dabei von der Finalität, also dem erreichten Nutzen, Einsatz oder Zweck des Translats zu unterscheiden, denn sie kann davon abweichen bzw. weicht oft davon ab (Reiß und Vermeer 1984, 98–99, 130). Die Disziplin der Translationswissenschaft widmet sich dem Gegenstand der Translation mit breit gefächerten Methoden und Zugängen; doch schon lange vor der Etablierung der Disziplin der Translationswissenschaft und auch weiterhin ist Translation Gegenstand in verschiedenen Disziplinen (siehe z. B. Prunč 2012, Kap. 1).