Erstlesebücher im Spannungsfeld von Lesefähigkeit und Lesemotivation
摘要
Das Kapitel beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Lesefähigkeit und Lesemotivation im Kontext der Erstlesedidaktik. Ausgehend von einem kognitions- und einem sozialisationstheoretischen Modell von Lesekompetenz wird analysiert, wie beide Dimensionen in ihrer Wechselwirkung die Leseförderung beeinflussen. Empirisch belegt ist ein reziproker Zusammenhang zwischen Lesefähigkeit, Lesehäufigkeit und Lesemotivation, dessen Störung im sogenannten Leseknick kulminiert, einem Motivationsrückgang, der häufig zum Ende der zweiten Klasse auftritt. Da Erstlesebücher gezielt für diese sensible Phase des Leseerwerbs konzipiert sind, kommt ihnen im Hinblick auf die Prävention dieses Motivationsverlusts besondere Bedeutung zu. Im Fachdiskurs wird vielfach kritisiert, dass sie wegen dieser hohen didaktischen Anforderung an literarischer Komplexität, sprachlicher Ausdruckskraft und bildästhetischem Anspruch einbüßten und daher kaum zur Förderung der Lesemotivation geeignet seien. Empirisch belegt sind diese Annahmen nicht. Zugleich wird zunehmend auf positive Entwicklungen hinsichtlich literarischer Qualität und gestalterischer Vielfalt hingewiesen. Beide Perspektiven werden im Kapitel kontrastierend dargestellt.