Das Potenzial von Erstlesebüchern zur Initiierung literarästhetischer Lernprozesse
摘要
Erstlesebücher bergen ein bislang unterschätztes Potenzial zur Initiierung literarästhetischer Lernprozesse. Die Analyse eines Textkorpus aus 75 Erstlesebüchern zeigt, dass sprachliche und visuelle Gestaltungsmittel literarästhetische Erfahrungen ermöglichen können, etwa durch sprachliche und visuelle Verfremdungen oder comicale Erzählstrukturen. Leser:innen können zur Wahrnehmung von Abweichungen vom Bekannten, zur Imagination sowie zum psychologischen Erkunden von Figuren angeregt werden. Implizite Bedeutungsstrukturen, Symbolik und Unbestimmtheitsstellen eröffnen zusätzliche Deutungsebenen, ohne das grundlegende Textverständnis zu beeinträchtigen. Zudem wird die subjektive Involviertheit durch vertraute Themen und emotionales Erleben begünstigt. Die Befunde zeigen, dass literarästhetisches Lernen bereits mit reduzierter sprachlicher Komplexität möglich ist, insbesondere, wenn eine gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit erfolgt. Damit können Erstlesebücher einen bedeutsamen Beitrag zur literarischen Bildung leisten.