Repräsentationen von Schwangerschaftsabbrüchen in literarischen und medizinpolitischen Texten der 1920 und 1930er Jahre
摘要
„Der Mutterschaftszwang ist die Wehrpflicht der Frau […]. Sie sind nur der Vorwand für eine Amtshandlung. Sie sind augenblicklich nur ein bewegliches Gut und gehören dem Staat“ – so befindet der Richter in Mela Hartwigs Novelle von 1928 Der phantastische Paragraph (2004, 85) angesichts des angeblichen Schwangerschaftsabbruchs der angeklagten Protagonistin. Die Verhandlung des Abtreibungsparagraphen als institutionalisierte Unterdrückungspraktik zeigt sich nicht nur hier, sondern auch in anderen Texten von Schriftstellerinnen der deutschen Weimarer und der österreichischen Ersten Republik, wie beispielsweise in Vicki Baums stud. chem. Helene Willfüer (1928), Irmgard Keuns Gilgi, eine von uns (1931), Else Feldmanns Der Leib der Mutter (1924/1931), Maria Lazars Viermal ICH (entstanden Ende der 1920er Jahre) und den Gerichtsreportagen von Gabriele Tergit (1924–1933).