Entschuldbares Delikt
摘要
Dorothea Schlegel beabsichtigte mit ihrem Roman Florentin von 1801, dessen zweiter Teil anders als geplant nie entstand, das ausfallende Einkommen ihres Mannes Friedrich Schlegel zu kompensieren, der sich nach der Finalisierung von Lucinde und der Einstellung der Zeitschrift Athenäum in einer Schaffenskrise befand (Ring 2022, 169, 171). Sämtliche ihrer Texte erschienen unter dem Namen ihres Partners oder, wie Florentin, anonym unter dessen Herausgeberschaft. Die Verschleierung der weiblichen Urheberinnenschaft stellte eine der Anpassungsstrategien dar, derer sich romantische Schriftstellerinnen bedienten, um trotz der hierarchischen Geschlechterordnung und sozialen Ächtung schreibender Frauen veröffentlichen zu können, ohne ihren bürgerlichen Ruf zu riskieren: Mit der zunehmenden Alphabetisierung und der Entwicklung des weiblichen Lesepublikums im 18. Jahrhundert strebten auch immer mehr Frauen danach, selbst Literatur zu produzieren. Darauf formierte sich eine Bewegung männlicher Gelehrter und Kunstschaffender, die die Einschränkung des gesellschaftlichen Einflusses von Frauen postulierte. Entsprechend wurde in den literarischen Zirkeln der Romantik eine Geschlechtszensur praktiziert, die nicht selten zu einem künstlerischen Verstummen der Autorinnen führte. Dies betraf auch Schlegel, insofern sie bis zu ihrem Tod 1839 keine weiteren größeren schriftstellerischen Projekte mehr in Angriff nahm. Stattdessen fertigte sie Übersetzungen an und schrieb Lyrik sowie kurze Prosa für die Publikationsorgane Friedrichs (Becker-Cantarino 2000, 61–64, 120).