Docta Ignorantia – Eine Prämisse für die nachhaltige Entwicklung
摘要
Das Hauptwerk des an der Mosel im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance geborenen Nikolaus von Kues ist seine De Docta Ignorantia (Über die belehrte Unwissenheit). Im vorliegenden Beitrag wird nach einer kurzen Einleitung zunächst gezeigt, worin diese Unwissenheit gründet und welche Konsequenzen aus ihr für die menschliche Kunst, die ars humana, folgen, schöpferisch, kreativ und erfinderisch tätig zu sein. So folgt aus der Unvollkommenheit und Endlichkeit des menschlichen Wissens, die Unvollkommenheit der menschlichen Kunst und der aus ihr resultierenden Produkte. Dies impliziert die Forderung, sich seiner menschlichen Unwissenheit als anthropologische Konstante zu belehren und sie vor allem bei der Entwicklung technischer Produkte zu beachten. Aufbauend darauf wird begründet, dass die Belehrung über die menschliche Unwissenheit besonders dann dringend geboten ist, wenn diese Entwicklung den Anspruch erhebt, nachhaltig zu sein. Dabei zeigt sich, dass eine auf belehrter Unwissenheit gründende, nachhaltige Entwicklung grundsätzlich eine menschwürdige ist, die im aristotelischen Sinne den Weg der Mitte zwischen Stillstand und zügelloser Entwicklung beschreitet.