Jürgen Kocka schreibt in seinem 2021 erschienenen Buch Kampf um die Moderne, dass „aus heutiger Perspektive […] das 19. Jahrhundert weit entfernt“ sei und uns „bisweilen fremd und exotisch“ erscheine. 2 Die heutige Zeitreise führt uns noch zwei Jahrhunderte weiter zurück in die Vergangenheit, ins frühe 17. Jahrhundert, als beispielsweise uns geläufige Wörter eine gänzlich andere Bedeutung hatten. Mein Lieblingsbeispiel ist das Wort „merkwürdig“, das in jener Zeit keineswegs „sonderbar“ oder „eigenartig“, „komisch“ oder „seltsam“ bedeutete, sondern genau das bedeutete, was uns die Bestandteile erklären: etwas, also eine Sache oder eine Handlung oder eine Person, die es wert ist, gemerkt oder bemerkt zu werden, wert also, erzählt oder erwähnt zu werden, nicht weil sie so sonderbar, sondern weil sie so bemerkenswert ist oder war. Zudem war das Leben in jener Zeit in einem Maße durchgängig religiös geprägt, wie es für uns heute und hier Lebende kaum vorstellbar ist. Die christlichen Konfessionen, Katholizismus, Protestantismus und Orthodoxie standen einander zwar feindlich gegenüber, was allerdings geschäftliche Beziehungen und Verbindungen keineswegs ausschloss.

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Zur falschen Zeit am falschen Ort

  • Dittmar Dahlmann

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Jürgen Kocka schreibt in seinem 2021 erschienenen Buch Kampf um die Moderne, dass „aus heutiger Perspektive […] das 19. Jahrhundert weit entfernt“ sei und uns „bisweilen fremd und exotisch“ erscheine. 2 Die heutige Zeitreise führt uns noch zwei Jahrhunderte weiter zurück in die Vergangenheit, ins frühe 17. Jahrhundert, als beispielsweise uns geläufige Wörter eine gänzlich andere Bedeutung hatten. Mein Lieblingsbeispiel ist das Wort „merkwürdig“, das in jener Zeit keineswegs „sonderbar“ oder „eigenartig“, „komisch“ oder „seltsam“ bedeutete, sondern genau das bedeutete, was uns die Bestandteile erklären: etwas, also eine Sache oder eine Handlung oder eine Person, die es wert ist, gemerkt oder bemerkt zu werden, wert also, erzählt oder erwähnt zu werden, nicht weil sie so sonderbar, sondern weil sie so bemerkenswert ist oder war. Zudem war das Leben in jener Zeit in einem Maße durchgängig religiös geprägt, wie es für uns heute und hier Lebende kaum vorstellbar ist. Die christlichen Konfessionen, Katholizismus, Protestantismus und Orthodoxie standen einander zwar feindlich gegenüber, was allerdings geschäftliche Beziehungen und Verbindungen keineswegs ausschloss.