Ende Mai 1790 erschien im Gostinyj Dvor am Nevskij Prospekt ein Buch mit dem unschuldig klingenden Titel Reise von Petersburg nach Moskau. Ein Autor wurde nicht genannt. Die Reise wurde sofort zu einem Erfolg in der Hauptstadt. Es wurde das Gerücht verbreitet, dass das Buch drohe, die Köpfe der Könige auf den Block zu bringen. Auch die russische Kaiserin Katharina II. las das Buch, und ihr Zorn kannte keine Grenzen. Nachdem sie nur dreißig Seiten gelesen hatte, rief sie den Chefzensor zu sich und fragte ihn, was das zu bedeuten habe. Der arme Kerl, Nikita Ryleev, musste zugeben, dass er das Buch nur aus der Ferne betrachtet hatte, dass er es für einen bloßen Reisebericht (à la Laurence Sterne) hielt und dass er dem Autor daher die Genehmigung erteilt hatte, es in seiner Privatpresse zu drucken.

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Die russische Kaiserin Katharina II. und ihr Kritiker Radiščev: Ein fehlgeschlagener Dialog?

  • Emmanuel Waegemans

摘要

Ende Mai 1790 erschien im Gostinyj Dvor am Nevskij Prospekt ein Buch mit dem unschuldig klingenden Titel Reise von Petersburg nach Moskau. Ein Autor wurde nicht genannt. Die Reise wurde sofort zu einem Erfolg in der Hauptstadt. Es wurde das Gerücht verbreitet, dass das Buch drohe, die Köpfe der Könige auf den Block zu bringen. Auch die russische Kaiserin Katharina II. las das Buch, und ihr Zorn kannte keine Grenzen. Nachdem sie nur dreißig Seiten gelesen hatte, rief sie den Chefzensor zu sich und fragte ihn, was das zu bedeuten habe. Der arme Kerl, Nikita Ryleev, musste zugeben, dass er das Buch nur aus der Ferne betrachtet hatte, dass er es für einen bloßen Reisebericht (à la Laurence Sterne) hielt und dass er dem Autor daher die Genehmigung erteilt hatte, es in seiner Privatpresse zu drucken.