Nach Yves Ravey, dessen Prosa die familiäre Schuld als stilles Echo der Geschichte verhandelt, rückt mit Erri De Luca ein Autor in den Blick, der die Heimsuchung durch Erinnerung in ein anderes Licht taucht. 1950 in Neapel geboren, wächst De Luca in einer vom Krieg gezeichneten Stadt auf, die ihm als topographisches Gedächtnis und seelischer Ursprung erhalten bleibt. Mit achtzehn Jahren verlässt er Neapel, um sich in Rom der außerparlamentarischen Bewegung Lotta Continua anzuschließen. Nach dem Ende dieser politischen Erfahrung arbeitet er in verschiedenen Berufen – bei Fiat, als Lagerist, Maurer und Fahrer –, eine biografische Vielgestaltigkeit, die sich später in die Schlichtheit und Körpernähe seiner Sprache einschreibt. Er engagiert sich als Volontär in Afrika, fährt während des Jugoslawienkriegs Hilfstransporte und bringt sich selbst mehrere Sprachen bei, darunter Althebräisch, aus dem er Bücher des Alten Testaments ins Italienische übersetzt und kommentiert. Erst spät, im Alter von 39 Jahren, veröffentlicht er mit Non ora, non qui sein erstes Buch, in dem er die Kindheit in Neapel als Urszene des Verlusts erinnert.

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Erinnerung und Auslöschung

  • Jutta Fortin

摘要

Nach Yves Ravey, dessen Prosa die familiäre Schuld als stilles Echo der Geschichte verhandelt, rückt mit Erri De Luca ein Autor in den Blick, der die Heimsuchung durch Erinnerung in ein anderes Licht taucht. 1950 in Neapel geboren, wächst De Luca in einer vom Krieg gezeichneten Stadt auf, die ihm als topographisches Gedächtnis und seelischer Ursprung erhalten bleibt. Mit achtzehn Jahren verlässt er Neapel, um sich in Rom der außerparlamentarischen Bewegung Lotta Continua anzuschließen. Nach dem Ende dieser politischen Erfahrung arbeitet er in verschiedenen Berufen – bei Fiat, als Lagerist, Maurer und Fahrer –, eine biografische Vielgestaltigkeit, die sich später in die Schlichtheit und Körpernähe seiner Sprache einschreibt. Er engagiert sich als Volontär in Afrika, fährt während des Jugoslawienkriegs Hilfstransporte und bringt sich selbst mehrere Sprachen bei, darunter Althebräisch, aus dem er Bücher des Alten Testaments ins Italienische übersetzt und kommentiert. Erst spät, im Alter von 39 Jahren, veröffentlicht er mit Non ora, non qui sein erstes Buch, in dem er die Kindheit in Neapel als Urszene des Verlusts erinnert.