Inseln gehören zwar zur griechischen Landschaft, sie besitzen aber einen topographischen Eigenwert. Wie kann aber eine Differenz zwischen dem Festland Griechenland und der Ägäis dichterisch begründet werden? Pauschal und vereinfachend könnte man sagen, dass die Inseln eine Essenz des antiken Griechenlands repräsentieren, sie demonstrieren in ihrer Lebensweise das genuin feurige griechische Element. Angesichts der unermesslichen Horizontalität des Meeres, in dem die Inseln schwimmen, erhalten sie auch eine vertikale Dimension, wie die Berge, mit denen sie deshalb vergleichbar sind. In der oben angeführten Ode Der Mensch „sproßten“ sie „aus dem Wasser“ wie „der jungen Berge Gipfel“.41 Inseln unterscheiden sich von den Bergen einerseits durch ihre engen räumlichen Grenzen, sie sind „isoliert“, andererseits umschließt sie das unendliche, offene Meer. Dieses Offene, auf das die Berge in ihrer Vertikalität und die Küsten der Inseln in ihrer Horizontalität den Blick öffnen, bildet ihr Privileg, das sie in der poetischen Konstruktion der Landschaft auszeichnet.42 In Der Mutter Erde werden „die Zeiten des Schaffenden“ mit einem „Gebirg“ verglichen, „das hochaufwoogend von Meer zu Meer / Hinziehet über die Erde“.43

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Im Wellenschlag der Geschichte: Die „schiffenden“ Inseln

  • Eva Kocziszky

摘要

Inseln gehören zwar zur griechischen Landschaft, sie besitzen aber einen topographischen Eigenwert. Wie kann aber eine Differenz zwischen dem Festland Griechenland und der Ägäis dichterisch begründet werden? Pauschal und vereinfachend könnte man sagen, dass die Inseln eine Essenz des antiken Griechenlands repräsentieren, sie demonstrieren in ihrer Lebensweise das genuin feurige griechische Element. Angesichts der unermesslichen Horizontalität des Meeres, in dem die Inseln schwimmen, erhalten sie auch eine vertikale Dimension, wie die Berge, mit denen sie deshalb vergleichbar sind. In der oben angeführten Ode Der Mensch „sproßten“ sie „aus dem Wasser“ wie „der jungen Berge Gipfel“.41 Inseln unterscheiden sich von den Bergen einerseits durch ihre engen räumlichen Grenzen, sie sind „isoliert“, andererseits umschließt sie das unendliche, offene Meer. Dieses Offene, auf das die Berge in ihrer Vertikalität und die Küsten der Inseln in ihrer Horizontalität den Blick öffnen, bildet ihr Privileg, das sie in der poetischen Konstruktion der Landschaft auszeichnet.42 In Der Mutter Erde werden „die Zeiten des Schaffenden“ mit einem „Gebirg“ verglichen, „das hochaufwoogend von Meer zu Meer / Hinziehet über die Erde“.43