Make Love Not War oder: Ein Monarch an der Schwelle zum Krieg in Der Tod des Löwen
摘要
Auguste Hauschner war vieles, glaubt man den Beschreibungen, die Zeitgenoss:innen und Forschung für sie finden: Die „Urgroßmutter der Prager deutschen Literatur“ (Ingeborg Fiala-Fürst), eine engagierte Mäzenin und große Menschenfreundin, eine Jüdin, die mit dem Zionismus haderte, eine Vermittlerin zwischen konträren politischen Lagern,1 eine in der Monarchie sozialisierte Demokratin, eine Sozialistin, die die gewalttätige Revolution ablehnte,2 sowie – nicht zuletzt – eine überzeugte Pazifistin. Überlieferte Äußerungen Auguste Hauschners zu Weltlage und Politik sind rar – auch, weil auf ihren persönlichen Wunsch nur die Briefe ihrer Freund:innen und Bekannten als Briefe an Auguste Hauschner (Berlin 1929) herausgegeben wurden, ihre eigenen Schreiben aber fehlen. Durch die vorliegenden Quellen allerdings zieht sich konstant der Aspekt ihres pazifistischen Auftretens. So schreibt sie 1917 in der Sammelschrift Das jüdische Prag über Kinder in einer Prager Flüchtlingsnotschule: „Der Krieg, das grausige Ereignis, das sie dieses Obdaches beraubte, stand im Mittelpunkt ihrer Bekenntnisse und das Verlangen nach der Rückkehr in die schmerzensreiche Bodenständigkeit.“3 Den Ersten Weltkrieg lehnt sie vehement ab – und das bereits zu Beginn, als weite Teile des Landes durch den Kriegsausbruch euphorisiert sind.4 Hauschner vertritt diese Überzeugung so kompromisslos, dass sie den Kontakt zu ihrem Cousin und engen Freund Fritz Mauthner vorübergehend unterbricht, als dieser sich der Kriegsbegeisterung anschließt.5 Für sie bedeutet der Krieg einerseits den Höhepunkt ihres karitativen Wirkens, andererseits auch das Ende ihres Berliner Salons6 und trotz ihres Engagements das Gefühl einer großen Ohnmacht: „Ich kann an nichts und niemanden mehr glauben. So bin ich ein Zwittergeschöpf und fühle mich so überflüssig. Hätte ich ein Amt, wäre ich wohl befriedigter.“7 Nachdem sie in der Kriegszeit politische Künstler:innen finanziert8 und aus eigener Tasche Feldpostpakete an Soldaten jeglicher Herkunft und Konfession bezahlt,9 bleibt sie am Ende des Krieges „verarmt und kränkelnd zurück“.10