Vom Widerspruch zum Einssein: Eine indische spirituelle Weltanschauung im Umgang mit Paradoxien
摘要
Die Forschungstätigkeit zu Paradoxien im Bereich der Management- und Organisationsforschung hat in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten rapide zugenommen. Paradoxien werden als widersprüchliche, aber dennoch miteinander verbundene Gegensätze verstanden, die gleichzeitig existieren und über die Zeit hinweg bestehen bleiben. Zum Beispiel müssen Organisationen sowohl Gewinnziele als auch sozial wertvolle Ziele erreichen, mit den Branchenkollegen für technologischen Fortschritt sowohl zusammenarbeiten als auch konkurrieren und darüber hinaus den Konsum fördern, während sie gleichzeitig darauf achten müssen, die natürliche Umwelt zu schützen und zu bewahren. Die Paradox-Perspektive kommt in verschiedenen Bereichen zum Tragen, wie zum Beispiel beim Management hybrider Organisationen, beim Arbeiten mit diversen institutionellen Steuerungselementen, bei der Förderung von Innovation, bei der Unterstützung der kognitiven Fähigkeiten von Managern und bei der Entwicklung der Praxistheorie. Interessanterweise umfasst die indische Weisheit die paradoxe Vorstellung von Leben und Realität, seit die grundlegenden Konzepte dieser Tradition in prähistorischen Zeiten eingeführt wurden. Die indische Weisheit ist voller Paradoxien, wie zum Beispiel das gleichzeitige Erreichen der vier großen Lebensziele, die scheinbar im krassen Gegensatz zueinander stehen – Dharma, Artha, Kama und Moksha. Dieses Kapitel zielt darauf ab, die indische vedantische Weisheitstradition zu erforschen, um Paradoxien aus ontologischer und epistemologischer Perspektive zu betrachten und zu versuchen, die für die Organisations- und Managementforschung relevanten Erkenntnisse zu aufzuzeigen.