Die Lehre der Wesensschau im Lichte der transzendentalen Wende
摘要
Aus seiner Kritik am logischen Psychologismus zieht Husserl den Schluss, dass der entscheidende Punkt im Streit zwischen Psychologismus und Antipsychologismus in „der richtigen Erkenntnis des fundamentalsten erkenntnistheoretischen Unterschiedes, nämlich zwischen Realem und Idealem“ bestehe. Konsequenterweise sieht er sich vor die Aufgabe gestellt, zu beantworten, „wie die Idealität des Allgemeinen als Begriff oder Gesetz in den Fluß der realen psychischen Erlebnisse eingehen und zum Erkenntnisbesitz des Denkenden werden kann“. In der frühen Problemstellung der LU setzte Husserl jedoch psychische Erlebnisse und ideale Gegenständlichkeiten implizit als zwei heterogene Seinsbereiche voraus: Erstere wurden durch Zeitlichkeit, letztere durch Unzeitlichkeit bzw. Überzeitlichkeit charakterisiert. Diese Dichotomie machte eine zufriedenstellende Lösung des Problems kaum möglich. Erst die Einführung der transzendentalen Reduktion wirft ein neues Licht auf diese Problematik und eröffnet eine grundlegend neue Perspektive auf die Lehre der Wesensschau. Zwar liegt in den Ideen I das Hauptgewicht der transzendentalen Reduktion noch auf der Erkenntnis der natürlichen Welt und weniger auf der idealer Gegenständlichkeiten; spätestens jedoch in FtL macht Husserl deutlich, dass die Transzendentalphilosophie nicht nur die Konstitution der Natur, sondern ebenso jene der logischen und letztlich aller apriorischen Gebilde zu ihren Kernfragen zählt. Gerade die Frage nach der Möglichkeit der Transzendenz idealer Gegenständlichkeiten markiert das Spezifische der husserlschen Transzendentalphilosophie im Unterschied zu Hume oder Kant. Im Lichte der transzendentalen Reduktion verschiebt sich die erkenntnistheoretische Leitfrage: Aus dem „Wie gelangt man über sich hinaus, um Gegenstände als so und so Beschaffene zu erkennen?“ wird ein „Wie konstituieren sich Gegenstände als so und so Beschaffene?“. Während Husserl das Ideale in den LU noch als „unzeitlich“ oder „überzeitlich“ bezeichnete, spricht er später von „Allzeitlichkeit“, also auch einem Modus der „Zeitlichkeit“, da die Zeitlichkeit das Fundament aller Konstitutionsleistungen der transzendentalen Subjektivität bildet. Die Leitfrage, „wie sich ideale Gegenständlichkeiten als strenge Identität konstituieren“, setzt zwingend die Klärung der Zeitkonstitution sinnlicher Gegenstände voraus. Erst auf diesem Fundament wird begreiflich, worin sich die Konstitution irrealer Gegenständlichkeiten von jener sinnlicher Gegenstände unterscheidet und weshalb ihnen der Modus der Allzeitlichkeit zukommt. In diesem Kapitel werden daher die Konstitution der Zeitlichkeit und jene der Allzeitlichkeit jeweils betrachtet.