Der Durchbruch der Wesensschau im Kontext der Psychologismuskritik
摘要
Die Überwindung des Psychologismus gilt als eines der einschneidendsten Ereignisse der Philosophiegeschichte. Seither muss jeder Ansatz, der hinter die antipsychologistische Kritik zurückfällt, im Grunde als widerlegt betrachtet werden. Zugleich spielt die Auseinandersetzung mit dem Psychologismus eine zentrale Rolle für die ursprüngliche Etablierung der Wesensschau als Methode. Doch manche Forscher bezweifeln, ob es den Psychologismus überhaupt gibt, da es unter Philosophen keinen Konsens darüber gibt, was Psychologismus eigentlich sei. Die erste Aufgabe dieses Kapitels besteht daher darin, Husserls Konzept des Psychologismus herauszuarbeiten. Nach unserer Rekonstruktion vollzieht sich der Durchbruch der Wesensschau in den LU wie folgt: Zunächst werden die unvermeidlichen skeptizistischen Konsequenzen jeglicher Form von Psychologismus offengelegt; als einziger Ausweg daraus erweist sich die Anerkennung der Notwendigkeit idealer Gegenständlichkeiten sowie einer „unmittelbaren Einsicht“ in diese. Entgegen der gängigen Lehrmeinung, wonach die Konzeption der Wesensschau in Form der kategorialen Anschauung in der VI. Untersuchung eingeführt wird, verortet unsere Rekonstruktion ihren Ursprung bereits in der Psychologismuskritik der „Prolegomena“. Die VI. Untersuchung leistet stattdessen mittels einer neuartigen, phänomenologischen Aktanalyse die nähere Charakterisierung dieser „unmittelbaren Einsicht“ in ideale Gegenständlichkeiten als „Anschauung“ bzw. „Wahrnehmung“. Abschließend werden die Schwierigkeiten aufgezeigt, die der Wesensschau in der Ausprägung der kategorialen Anschauung innerhalb der LU noch anhaften, die jedoch zugleich als systematischer Leitfaden für die spätere Weiterentwicklung dieser Lehre fungieren.