Miro, 32 Jahre alt, befindet sich seit drei Wochen auf der Station 7A für affektive Störungen der hiesigen psychiatrischen Universitätsklinik. Drei Freunde hatten ihn dorthin gebracht, nachdem sie einen gemeinsamen Urlaub vorzeitig abgebrochen hatten. „Es war klar, dass mit Miro etwas nicht stimmt“, berichtet sein bester Freund. „Zunächst haben wir uns alle gefreut, als Miro mitteilte, er habe im Lotto gewonnen und wolle uns für vier Wochen nach Ibiza zum Feiern einladen.“ Dies sei auch deshalb so erfreulich gewesen, weil Miro im vergangenen Jahr eine extrem schwierige Phase durchlebt habe. Er sei schwer depressiv gewesen und habe einen Suizidversuch unternommen. Damals sei er bereits auf derselben Station behandelt worden. Da es sich um die zweite depressive Episode gehandelt habe, sei bei ihm eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert worden. Auf Ibiza sei jedoch schnell aufgefallen, dass Miro verändert wirkte. Er wirkte aufgekratzt und regelrecht euphorisch. Zunächst hatten die Freunde es auf die Antidepressiva geschoben. Den Konsum von Ecstasy hätten sie ausgeschlossen, da Miro dies stets abgelehnt habe. Dennoch habe er mehrere Nächte durchgefeiert, ohne müde zu werden, und sei zunehmend reizbar gewesen. Als seine Freundin von zu Hause aus anrief, stellte sich heraus, dass sie weder von einem angeblichen Lottogewinn wusste noch über den Urlaub informiert gewesen war. Einer der Freunde nahm den Anruf entgegen, da Miro noch auf der Party gebliebenwar. Als man ihn später darauf ansprach, reagierte Miro aggressiv und ausfällig. Er habe sich kaum noch beruhigen lassen und wirkte schließlich zunehmend durcheinander und verwirrt. Einer der Freunde beschreibt: „Seine Sätze wurden unverständlich, er begann mitten im Satz einen neuen Gedanken und führte keinen zu Ende. “Am nächsten Tag habe sich die Situation zunächst etwas beruhigt, doch Miro sei zunehmend sonderbarer geworden. Er habe einen Makler bestellt, da er angeblich eine Wohnung für sich und seine Freunde kaufen wolle. Mit welchem Geld dies geschehen solle, blieb unklar. Wiederholt habe er gesagt: „Was sollen wir in Deutschland, diesem öden Molloch? Ich hole euch da raus. Das ist meine Bestimmung.“

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Beschreibung des Störungsbildes bipolare Störung

  • Kimberly Stolfi,
  • Thomas Schnell

摘要

Miro, 32 Jahre alt, befindet sich seit drei Wochen auf der Station 7A für affektive Störungen der hiesigen psychiatrischen Universitätsklinik. Drei Freunde hatten ihn dorthin gebracht, nachdem sie einen gemeinsamen Urlaub vorzeitig abgebrochen hatten. „Es war klar, dass mit Miro etwas nicht stimmt“, berichtet sein bester Freund. „Zunächst haben wir uns alle gefreut, als Miro mitteilte, er habe im Lotto gewonnen und wolle uns für vier Wochen nach Ibiza zum Feiern einladen.“ Dies sei auch deshalb so erfreulich gewesen, weil Miro im vergangenen Jahr eine extrem schwierige Phase durchlebt habe. Er sei schwer depressiv gewesen und habe einen Suizidversuch unternommen. Damals sei er bereits auf derselben Station behandelt worden. Da es sich um die zweite depressive Episode gehandelt habe, sei bei ihm eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert worden. Auf Ibiza sei jedoch schnell aufgefallen, dass Miro verändert wirkte. Er wirkte aufgekratzt und regelrecht euphorisch. Zunächst hatten die Freunde es auf die Antidepressiva geschoben. Den Konsum von Ecstasy hätten sie ausgeschlossen, da Miro dies stets abgelehnt habe. Dennoch habe er mehrere Nächte durchgefeiert, ohne müde zu werden, und sei zunehmend reizbar gewesen. Als seine Freundin von zu Hause aus anrief, stellte sich heraus, dass sie weder von einem angeblichen Lottogewinn wusste noch über den Urlaub informiert gewesen war. Einer der Freunde nahm den Anruf entgegen, da Miro noch auf der Party gebliebenwar. Als man ihn später darauf ansprach, reagierte Miro aggressiv und ausfällig. Er habe sich kaum noch beruhigen lassen und wirkte schließlich zunehmend durcheinander und verwirrt. Einer der Freunde beschreibt: „Seine Sätze wurden unverständlich, er begann mitten im Satz einen neuen Gedanken und führte keinen zu Ende. “Am nächsten Tag habe sich die Situation zunächst etwas beruhigt, doch Miro sei zunehmend sonderbarer geworden. Er habe einen Makler bestellt, da er angeblich eine Wohnung für sich und seine Freunde kaufen wolle. Mit welchem Geld dies geschehen solle, blieb unklar. Wiederholt habe er gesagt: „Was sollen wir in Deutschland, diesem öden Molloch? Ich hole euch da raus. Das ist meine Bestimmung.“