Das Problem falscher Erinnerungen liegt nicht nur in deren überraschend einfacher Suggerierbarkeit. Hinzu kommt auch noch, dass sich falsche Erinnerungen kaum von wahren zu unterscheiden scheinen. Dies ist jedoch eine relativ neue Erkenntnis und häufig bestehen auch hierzu falsche Vorstellungen. „Wilkomirskis“ Psychotherapeutin war beispielsweise davon überzeugt, dass sie aufgrund ihrer 20-jährigen Praxiserfahrung klar zwischen authentischen und nur vermeintlich realen Erfahrungen unterscheiden könne (Mächler 2000). Psychotherapeut:innen mit einer ähnlichen Überzeugung könnten sich in der Praxis ebenso sicher fühlen, dass falsche Erinnerungen kein Problem bei ihnen seien, da sie diese ja erkennen würden. Tatsächlich stellt aktuelle Forschung diese Überzeugungen jedoch stark infrage (Wachendörfer und Oeberst 2023): In einem Überblick über die wissenschaftliche Literatur stellte sich heraus, dass sich wahre und falsche autobiografische Erinnerungen äußerst ähnlich sind, und zwar sowohl im subjektiven Erleben, als auch in den Berichten darüber. Nur für vereinzelte Variablen (6 aus 131) fanden sich signifikante und robuste Unterschiede. Ein Beispiel stellt die subjektive Sicherheit der Versuchspersonen dar: Hier zeigte sich, dass sie sich bei wahren Erinnerungen signifikant sicherer waren. Aber dennoch war der Bereich, in dem sich beide Kurven überlappen – die der wahren und die der falschen Erinnerungen – so hoch, dass sich selbst diese Variablen nicht für eine zuverlässige Identifikation von falschen Erinnerungen eignen – insbesondere nicht im Einzelfall.

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Die Ähnlichkeit wahrer und falscher Erinnerungen

  • Aileen Oeberst

摘要

Das Problem falscher Erinnerungen liegt nicht nur in deren überraschend einfacher Suggerierbarkeit. Hinzu kommt auch noch, dass sich falsche Erinnerungen kaum von wahren zu unterscheiden scheinen. Dies ist jedoch eine relativ neue Erkenntnis und häufig bestehen auch hierzu falsche Vorstellungen. „Wilkomirskis“ Psychotherapeutin war beispielsweise davon überzeugt, dass sie aufgrund ihrer 20-jährigen Praxiserfahrung klar zwischen authentischen und nur vermeintlich realen Erfahrungen unterscheiden könne (Mächler 2000). Psychotherapeut:innen mit einer ähnlichen Überzeugung könnten sich in der Praxis ebenso sicher fühlen, dass falsche Erinnerungen kein Problem bei ihnen seien, da sie diese ja erkennen würden. Tatsächlich stellt aktuelle Forschung diese Überzeugungen jedoch stark infrage (Wachendörfer und Oeberst 2023): In einem Überblick über die wissenschaftliche Literatur stellte sich heraus, dass sich wahre und falsche autobiografische Erinnerungen äußerst ähnlich sind, und zwar sowohl im subjektiven Erleben, als auch in den Berichten darüber. Nur für vereinzelte Variablen (6 aus 131) fanden sich signifikante und robuste Unterschiede. Ein Beispiel stellt die subjektive Sicherheit der Versuchspersonen dar: Hier zeigte sich, dass sie sich bei wahren Erinnerungen signifikant sicherer waren. Aber dennoch war der Bereich, in dem sich beide Kurven überlappen – die der wahren und die der falschen Erinnerungen – so hoch, dass sich selbst diese Variablen nicht für eine zuverlässige Identifikation von falschen Erinnerungen eignen – insbesondere nicht im Einzelfall.