Der Beitrag untersucht Erich Auerbachs Dante-Lektüre vor dem Horizont der hegelschen Ästhetik. Auerbach versteht Dantes Commedia als realistische Dichtung, deren „ungeheure Wirklichkeitstreue“ darin gründet, dass sie die irdische Gestalteinheit des Menschen im Jenseits fixiert. Ausgehend von Hegels Deutung der Commedia als Darstellung des „ewigen Handelns“ entfaltet Auerbach einen Begriff des Realismus, der nicht auf empirischer Detailfülle, sondern auf der inneren Gesetzmäßigkeit der Gestalt beruht. Dantes Figuren erscheinen nach dem Ende ihrer Geschichte als reine Verkörperungen ihres Wesens – im Paradiso schließlich nur noch als sprachliche Erscheinungen. Der Beitrag zeigt, dass Auerbachs Deutung des dantischen Realismus zugleich eine ethische Dimension besitzt: In der „Treue“ zu sich selbst und ihrem Endgeschick offenbart sich jene Wahrheit des Menschen, die Hegel wie Auerbach als Ausdruck der Wirklichkeit begreifen.

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„Die ungeheure Wirklichkeitstreue“: Dante – Hegel – Auerbach

  • Eva Heubach

摘要

Der Beitrag untersucht Erich Auerbachs Dante-Lektüre vor dem Horizont der hegelschen Ästhetik. Auerbach versteht Dantes Commedia als realistische Dichtung, deren „ungeheure Wirklichkeitstreue“ darin gründet, dass sie die irdische Gestalteinheit des Menschen im Jenseits fixiert. Ausgehend von Hegels Deutung der Commedia als Darstellung des „ewigen Handelns“ entfaltet Auerbach einen Begriff des Realismus, der nicht auf empirischer Detailfülle, sondern auf der inneren Gesetzmäßigkeit der Gestalt beruht. Dantes Figuren erscheinen nach dem Ende ihrer Geschichte als reine Verkörperungen ihres Wesens – im Paradiso schließlich nur noch als sprachliche Erscheinungen. Der Beitrag zeigt, dass Auerbachs Deutung des dantischen Realismus zugleich eine ethische Dimension besitzt: In der „Treue“ zu sich selbst und ihrem Endgeschick offenbart sich jene Wahrheit des Menschen, die Hegel wie Auerbach als Ausdruck der Wirklichkeit begreifen.