Der Beitrag behandelt den Einfluss von Ludwig Wittgensteins Denken auf Lukas Bärfuss’ Schreiben aus einer die ethischen Implikationen fokussierenden Perspektive. Wittgenstein hat mit seinem zwischen 1933 und 1934 notierten Diktum „Philosophie dürfte man eigentlich nur dichten“ eine maximale Nähe, wenn nicht gar eine, aus seiner Sicht notwendige, Identität von Ethik und Ästhetik gedacht. Dichtung wird dabei verstanden als Repräsentation der semantischen Unbezwingbarkeit der Lebenswelt. Der Beitrag stellt die These auf, dass Lukas Bärfuss’ 2017 erschienene Erzählung Hagard den ästhetischen Versuch einer solchen Dichtung darstellt. Den roten Faden der Interpretation bildet die philosophische Differenz von Staunen und Neugier, die aus historischer Perspektive bis in die Gegenwart des fortgeschrittenen Kapitalismus mit seinen begehrensökonomischen Tendenzen beleuchtet wird. Hagard erweist sich dabei als eine Erzählung, die das Verhältnis von Archaik und Moderne und dabei die (Un-)Vereinbarkeit von Maß und Exzess und den Unterschied zwischen Trieb und zeitgenössischen Begehrnisstrukturen thematisiert. Im Zuge der Analyse, in der auch Essays und Interviews des Schweizer Autors Berücksichtigung finden, werden allgemeine Aspekte des Verhältnisses von Literatur/Narration und Ethik/Moral verhandelt.

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Staunen, Neugier und Exzess im Informationszeitalter. Ludwig Wittgensteins unsagbare Ethik und deren ästhetische Transformation bei Lukas Bärfuss

  • Tanja Angela Kunz

摘要

Der Beitrag behandelt den Einfluss von Ludwig Wittgensteins Denken auf Lukas Bärfuss’ Schreiben aus einer die ethischen Implikationen fokussierenden Perspektive. Wittgenstein hat mit seinem zwischen 1933 und 1934 notierten Diktum „Philosophie dürfte man eigentlich nur dichten“ eine maximale Nähe, wenn nicht gar eine, aus seiner Sicht notwendige, Identität von Ethik und Ästhetik gedacht. Dichtung wird dabei verstanden als Repräsentation der semantischen Unbezwingbarkeit der Lebenswelt. Der Beitrag stellt die These auf, dass Lukas Bärfuss’ 2017 erschienene Erzählung Hagard den ästhetischen Versuch einer solchen Dichtung darstellt. Den roten Faden der Interpretation bildet die philosophische Differenz von Staunen und Neugier, die aus historischer Perspektive bis in die Gegenwart des fortgeschrittenen Kapitalismus mit seinen begehrensökonomischen Tendenzen beleuchtet wird. Hagard erweist sich dabei als eine Erzählung, die das Verhältnis von Archaik und Moderne und dabei die (Un-)Vereinbarkeit von Maß und Exzess und den Unterschied zwischen Trieb und zeitgenössischen Begehrnisstrukturen thematisiert. Im Zuge der Analyse, in der auch Essays und Interviews des Schweizer Autors Berücksichtigung finden, werden allgemeine Aspekte des Verhältnisses von Literatur/Narration und Ethik/Moral verhandelt.