„In der präzisen Gegenrichtung gegen den Lebensstrom, aber auf ihm selbst …“
摘要
Der Aufsatz rekonstruiert die kritische Lektüre von Henri Bergsons sog. „ontologischem Intuitionismus“, die Helmuth Plessner in seinem Frühwerk Die Einheit der Sinne (1923) verfolgt. Herausgearbeitet wird dabei vor allem die immanente Qualität von Plessners Kritik an Bergson: Anstatt dem Nachdruck auf den unableitbaren Status der Intuition bei Bergson rein äußerlich-kritisch gegenüberzustehen, sucht Plessner nach einer argumentativen Einbettung seines vitalistischen Impulses in eine qualitative Ästhesiologie, die zugleich den ontologischen Radikalismus von Bergsons Lebensphilosophie abwenden kann. Der Aufsatz spielt die zentralen philosophischen Begrifflichkeiten im Denken Bergsons durch – Dauer, Intuition, Gedächtnis – und konfrontiert sie mit Plessners Konzeption einer „Ästhesiologie des Geistes“, in der Bergsons Kategorien eine kritische Bewertung erfahren, aber integrativ weitergedacht werden. Plessners Vorwurf eines „gebietlosen Intuitionismus“ zielt auf den systematischen Verzicht Bergsons, Kriterien für eine begrifflich vermittelbare Bestimmung der intuitiv erfassten Lebenswirklichkeit zu liefern. Der Text verdeutlicht so den Ort von Bergsons Denken im Spannungsfeld zwischen metaphysischer Lebensphilosophie und moderner philosophischer Anthropologie.