Im Folgenden ordne ich zunächst Helmuth Plessners Buch Die Einheit der Sinne. Grundlinien einer Ästhesiologie des Geistes (1923) in sein Gesamtwerk (Abschn. 1.), sodann ebenso kurz das Kapitel über die „Ästhesiologie des Gesichts“ in das ganze Buch (Abschn. 2) ein, um in meiner Interpretation dieses Kapitels darauf zurückgreifen zu können. Da die Hauptthese des Kapitels in der Akkordanz der Sehform zur Handlung besteht, erschließe ich sie im 3. Schritt von der Auffassung der Sehform und im 4. Schritt von dem Handlungsverständnis her. Vom Standpunkt der später geschriebenen Anthropologie der Sinne (1970) unterstellt die Begründung dieser Akkordanz (dieses Zusammenstimmens) bereits die Auge-Hand-Koordination in einer geschichtlich errungenen Form. Die Hypothese von dieser Akkordanz überzeugt in einem anthropologisch elementaren Sinne und für zweck-mittel-rationale Handlungskontexte, die in der westlichen Moderne für den wissenschaftlich-technischen Umgang mit Gegenständen eingerichtet worden sind. Davon muss man ihre Bedeutung für die optische Kunst unterscheiden. Der historische Aufhänger für die Hypothese von der Bildgebundenheit optischer Kunst war Plessners Kritik am abstrakten Expressionismus in der Malerei. Auch diese zweite Hypothese wird systematisch und historisch anhand seiner späteren Schriften präzisiert und teilweise korrigiert. Die Sehform lässt sich nicht nur mit dem pragmatischen Handeln, sondern ebenfalls mit den Leibeshaltungen des Ausdrucks und der Verständigung über Grenzthemen im menschlichen Leben koordinieren. Schließlich erfolgt (5.) noch ein Ausblick auf das offene Problem des Lichts als allgemeines Medium in der Natur.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Sehweisen in Alltag, Wissenschaft und Malerei

  • Hans-Peter Krüger

摘要

Im Folgenden ordne ich zunächst Helmuth Plessners Buch Die Einheit der Sinne. Grundlinien einer Ästhesiologie des Geistes (1923) in sein Gesamtwerk (Abschn. 1.), sodann ebenso kurz das Kapitel über die „Ästhesiologie des Gesichts“ in das ganze Buch (Abschn. 2) ein, um in meiner Interpretation dieses Kapitels darauf zurückgreifen zu können. Da die Hauptthese des Kapitels in der Akkordanz der Sehform zur Handlung besteht, erschließe ich sie im 3. Schritt von der Auffassung der Sehform und im 4. Schritt von dem Handlungsverständnis her. Vom Standpunkt der später geschriebenen Anthropologie der Sinne (1970) unterstellt die Begründung dieser Akkordanz (dieses Zusammenstimmens) bereits die Auge-Hand-Koordination in einer geschichtlich errungenen Form. Die Hypothese von dieser Akkordanz überzeugt in einem anthropologisch elementaren Sinne und für zweck-mittel-rationale Handlungskontexte, die in der westlichen Moderne für den wissenschaftlich-technischen Umgang mit Gegenständen eingerichtet worden sind. Davon muss man ihre Bedeutung für die optische Kunst unterscheiden. Der historische Aufhänger für die Hypothese von der Bildgebundenheit optischer Kunst war Plessners Kritik am abstrakten Expressionismus in der Malerei. Auch diese zweite Hypothese wird systematisch und historisch anhand seiner späteren Schriften präzisiert und teilweise korrigiert. Die Sehform lässt sich nicht nur mit dem pragmatischen Handeln, sondern ebenfalls mit den Leibeshaltungen des Ausdrucks und der Verständigung über Grenzthemen im menschlichen Leben koordinieren. Schließlich erfolgt (5.) noch ein Ausblick auf das offene Problem des Lichts als allgemeines Medium in der Natur.