Ein zentrales Konzept in Die Einheit der Sinne ist eine Form des Verstehens, der „Sinngebung“ und des Sinnes, die Plessner als „thematisch“ bezeichnet. Das „Thema“ bildet nicht nur die Grundlage für die kunst- und vor allem musikphilosophischen Ausführungen in diesem Buch, sondern es bekommt von Plessner die Rolle zugeschrieben, fundamental für die Sprache, das zielgerichtete Handeln und die Wissenschaften zu sein. Dies ist bemerkenswert, weil im Bereich des Thematischen nicht zwischen Zeichen und Bedeutung, zwischen wahr und falsch unterschieden werden soll. Das Thematische ist ein Konzept, das kaum zu einer der hermeneutischen und sprachphilosophischen Theorien passt, die zu Plessners Zeit gängig waren. Hinzu kommt, dass Plessner es nach der ES selbst nicht mehr unter diesem Titel verwendet hat. Man ist versucht, es als obsolet zu überlesen. In diesem Beitrag fasse ich zusammen, wie Plessner den Terminus „thematisch“ in der ES erläutert und systematisch einbettet (Abschn. 1.). Dabei gehe ich vor allem auf die Kunstphilosophie, auf den Bereich des leiblichen Ausdrucks und auf die Systematik der Verstehensleistungen ein. Anschließend (Abschn. 2.) diskutiere ich die wichtigsten Verständnisschwierigkeiten. Sie betreffen die Unterscheidung zwischen Anschauung und dem thematischen Verstehen (Abschn. 2.1.), die Frage, ob das Thematische überhaupt eine Stufe von Sinn ist (Abschn. 2.2.), und die von Plessner behauptete „Fundamentalstellung“ des Themas für Verstehen und Sinn überhaupt (Abschn. 2.3.).

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Das „Thema“ in Die Einheit der Sinne

  • Thomas Dworschak

摘要

Ein zentrales Konzept in Die Einheit der Sinne ist eine Form des Verstehens, der „Sinngebung“ und des Sinnes, die Plessner als „thematisch“ bezeichnet. Das „Thema“ bildet nicht nur die Grundlage für die kunst- und vor allem musikphilosophischen Ausführungen in diesem Buch, sondern es bekommt von Plessner die Rolle zugeschrieben, fundamental für die Sprache, das zielgerichtete Handeln und die Wissenschaften zu sein. Dies ist bemerkenswert, weil im Bereich des Thematischen nicht zwischen Zeichen und Bedeutung, zwischen wahr und falsch unterschieden werden soll. Das Thematische ist ein Konzept, das kaum zu einer der hermeneutischen und sprachphilosophischen Theorien passt, die zu Plessners Zeit gängig waren. Hinzu kommt, dass Plessner es nach der ES selbst nicht mehr unter diesem Titel verwendet hat. Man ist versucht, es als obsolet zu überlesen. In diesem Beitrag fasse ich zusammen, wie Plessner den Terminus „thematisch“ in der ES erläutert und systematisch einbettet (Abschn. 1.). Dabei gehe ich vor allem auf die Kunstphilosophie, auf den Bereich des leiblichen Ausdrucks und auf die Systematik der Verstehensleistungen ein. Anschließend (Abschn. 2.) diskutiere ich die wichtigsten Verständnisschwierigkeiten. Sie betreffen die Unterscheidung zwischen Anschauung und dem thematischen Verstehen (Abschn. 2.1.), die Frage, ob das Thematische überhaupt eine Stufe von Sinn ist (Abschn. 2.2.), und die von Plessner behauptete „Fundamentalstellung“ des Themas für Verstehen und Sinn überhaupt (Abschn. 2.3.).