Alle literarischen Auseinandersetzungen mit ‚autistischer‘ Metaphorik, denen sich diese Studie widmen soll, konfrontieren die bereits benannten konventionellsten Interpretationsrichtungen der ‚Autismus‘-Metapher (autistischer Messias und autistische Gesellschaft) mit einem Spektrum an freieren, da fiktionalen Variationen auf dieses Motiv. Damit wird auch das Konzept der Metaphorisierung eines epochalen Leitsyndroms, wie es aufbauend auf Susan Sontags Thesen im vorigen Kapitel erörtert wurde, neu zur Diskussion gestellt – und zugleich auch in seinen erzählerischen Möglichkeiten im distinktiven geistigen Raum der (v. a. deutschsprachigen) Gegenwartsliteratur vermessen. Demnach kann mit den Textanalysen, die hier im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen sollen, auch ein deutlich differenzierterer Zugang zum Verständnis der momentanen kulturellen Wirkmacht der Metaphorik um den ‚Autismus‘ eröffnet werden, als es die beiden benannten polaren Paradigmen als Deutungsklischees ermöglichen.

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Zwischen Leitparadigmen und Deutungsklischees: ‚Autistischer Messias‘ und ‚Autistische Gesellschaft‘

  • René Freudenthal

摘要

Alle literarischen Auseinandersetzungen mit ‚autistischer‘ Metaphorik, denen sich diese Studie widmen soll, konfrontieren die bereits benannten konventionellsten Interpretationsrichtungen der ‚Autismus‘-Metapher (autistischer Messias und autistische Gesellschaft) mit einem Spektrum an freieren, da fiktionalen Variationen auf dieses Motiv. Damit wird auch das Konzept der Metaphorisierung eines epochalen Leitsyndroms, wie es aufbauend auf Susan Sontags Thesen im vorigen Kapitel erörtert wurde, neu zur Diskussion gestellt – und zugleich auch in seinen erzählerischen Möglichkeiten im distinktiven geistigen Raum der (v. a. deutschsprachigen) Gegenwartsliteratur vermessen. Demnach kann mit den Textanalysen, die hier im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen sollen, auch ein deutlich differenzierterer Zugang zum Verständnis der momentanen kulturellen Wirkmacht der Metaphorik um den ‚Autismus‘ eröffnet werden, als es die beiden benannten polaren Paradigmen als Deutungsklischees ermöglichen.