Einführung
摘要
Können wir als Menschen nicht einfach akzeptieren, dass das, was vor Urzeiten einmal gebildet wurde, heute vorhanden ist, ohne genau zu wissen, wie und warum? Nein, das können wir nicht. Die Entwicklung des Menschen und somit die Entwicklung eines abstrakt denkenden Organs, des Gehirns, führt zwangsläufig zu Fragen über alles, was in dem Umfeld dieses Gehirns passiert. Das war seit einem bestimmten Zeitpunkt der Entwicklung immer so. Es gab Fragen, die instinktiv beantwortet werden konnten. Warum erkennt in dem einen Fall das Wild kurz nach dem Eintreffen des Jägers, dass dieser naht? In einem anderen Fall bei gleicher Deckung und gleicher Distanz ist es unbekümmert und lässt sich leicht erlegen. Die Antwort brachte die Erfahrung, die nach vielen Versuchen zeigte, dass die Windrichtung die entscheidende Rolle spielte. Andere Fragen, über die Ursachen von Blitz und Donner, Regenbögen, Krankheit, Tod und vielem anderem, waren nicht zu klären und wurden als gegeben akzeptiert. Sie fanden ihren Platz im Bereich des nicht Beherrschbaren, des Göttlichen, über dem Menschen Stehenden. Es war eine sehr erfolgreiche Methode, um die Belastung der Psyche mit zurzeit nicht zu beantwortenden Fragen zu verringern. Mit der Etablierung naturwissenschaftlicher Prinzipien im menschlichen Denken änderte sich die Art der Beantwortung von Fragen. Eine stimmige Antwort verlangte einen Nachweis, der reproduzierbar und allgemeingültig war. Eine Aussage über die Anziehungskraft der Erde musste auf jedem Kontinent oder im Fall der Ozeane auch auf Schiffen gültig sein. Für uns ist es heute eine Selbstverständlichkeit, dass Gegenstände überall auf der Erde im freien Fall in Richtung des Erdmittelpunktes beschleunigt werden. Das zugehörige physikalische Gesetz, das Newton in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts formulierte, ist als Gravitationsgesetz bekannt und wurde im 20. Jahrhundert durch Einsteins allgemeine Relativitätstheorie ergänzt. Durch diese naturwissenschaftlichen Gesetze wissen wir, dass Massen sich gegenseitig anziehen, überall, im gesamten Weltall. Kein noch so charismatischer Heilsversprecher oder Verschwörungstheoretiker kann heute der breiten Bevölkerung vorgaukeln, dass es auf dem Mond oder anderen Planeten nicht der Fall ist. Die naturwissenschaftliche Denkweise führte dazu, dass die Dinge, die über lange Zeit als gegeben akzeptiert waren, dem göttlichen Modell nach und nach entrissen wurden. Es ist den Naturwissenschaften zu verdanken, dass wir nur noch wenige Dinge in unserer Gedankenwelt haben, deren Erklärung von einem Teil der Bevölkerung als von Gott geschaffen angesehen wird. Der eine Punkt hierbei ist der Urknall, der sich vor einigen Jahrzehnten als ein Erklärungsmodell für die Entstehung des Weltalls etabliert hat und eine Besonderheit darstellt. Es ist überhaupt erst der Physik zu verdanken, dass dieser Aspekt auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Er eröffnet ein Dilemma, das durch folgende Tatsache begründet ist: Das Erklärungsmodell Urknall ist das Ergebnis einer konsequenten physikalischen Betrachtung der Prozesse, die nach dem postulierten Urknall bis in die heutige Zeit stattgefunden haben, ohne göttliches Einwirken. Die Schwierigkeiten, den eigentlichen Start des Urknalls physikalisch zu beschreiben, werden aber selbst von einigen Naturwissenschaftlern als Grund genommen, diesen Punkt als gottgegeben zu fordern – wieder, weil es noch keine eindeutige Erklärung hierfür gibt. Inzwischen wurden für die Entstehung des Weltalls alternative Vorstellungen entwickelt, die ein unendlich schwingendes Ausdehnen und Zusammenziehen beinhalten, ohne dass es dabei zu einem einzigen Urknall als Anfangsstadium gekommen sein muss. Einfacher ist es durch diesen Ansatz nicht geworden. Der zweite ungeklärte Punkt ist die eingangs gestellte Frage, wie das Leben auf der Erde entstanden ist. Es ist die Frage, die vermutlich die Menschheit bewegt, seitdem sie die Fähigkeit besitzt, Fragen zu stellen. Hiermit verbunden sind unmittelbar das Warum, das Wohin? und die Überlegung, welchen Sinn das Leben überhaupt hat. In einer Welt, in der es intelligente, denkende Wesen gibt, aber naturwissenschaftliche Prinzipien unbekannt sind, müssen Lösungen für die Beantwortung großer Fragen auf andere Art und Weise gefunden werden. Die Lösung hieß von Beginn an Religion. Sie gab und gibt auch heute noch Antworten für die Themen, die nicht mit einfachen Erfahrungen der Alltagswelt für jeden selbst erschlossen werden können. Hierbei kommt es nicht auf den Wahrheitsgehalt oder die Reproduzierbarkeit der Aussagen an. Wichtig ist das Beruhigen der eigenen Unsicherheit und des Angstgefühls, die durch das Nachdenken in diesen „unfassbaren“ Sphären unweigerlich entstehen.