Dieser Beitrag widmet sich der pharmazeutischen Handbuchliteratur der Aufklärungszeit aus praxeologiegeschichtlicher Perspektive. Demnach richtet er den Blick nicht primär auf die Inhalte dieser neuen Medien, sondern auf die historischen Praktiken, aus denen diese Inhalte hervorgehen (Praxiswissen) und mittels derer sie performativ generiert, aufgeschrieben und kodifiziert werden (Verschriftlichungsprozess). Dabei wird zunächst das Korpus der pharmazeutischen Hand- und Lehrbücher in ihren Entstehungs- und Wirkungszusammenhängen verortet und von anderen (älteren) Gattungen pharmazeutischer Literatur wie Dispensatorien und Pharmakopöen abgegrenzt, um auf dieser Basis, den Wissensbestand der Pharmazie zwischen Kunst, Handwerk und Wissenschaft in einer Umbruchsphase der Verwissenschaftlichung und Professionalisierung an der Schwelle zur modernen industriellen Pharmazie zu erfassen. Darauf aufbauend wird in einem weiteren Schritt diese Teleologie auf der Basis einer weiteren praxisnahen pharmazeutischen Textsorte – der Rezeptsammlung – überprüft und hinterfragt, woraus sichtbar wird, wie das überlieferte und tradierte Erfahrungswissen des Apothekers keineswegs nur in Opposition zur zunehmend abstrakten ›scientia‹ der Pharmazie als Universitätsdisziplin und regulierter Profession zu sehen ist, vielmehr kann die Pharmazie als »science in action« auch als Keimzelle neuen Wissens und neuer industrieller Produktionsformen dienen.

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Handwerk, Kunst oder Wissenschaft? Deutschsprachige Fachliteratur für Apotheker im 18. Jahrhundert

  • Barry Murnane

摘要

Dieser Beitrag widmet sich der pharmazeutischen Handbuchliteratur der Aufklärungszeit aus praxeologiegeschichtlicher Perspektive. Demnach richtet er den Blick nicht primär auf die Inhalte dieser neuen Medien, sondern auf die historischen Praktiken, aus denen diese Inhalte hervorgehen (Praxiswissen) und mittels derer sie performativ generiert, aufgeschrieben und kodifiziert werden (Verschriftlichungsprozess). Dabei wird zunächst das Korpus der pharmazeutischen Hand- und Lehrbücher in ihren Entstehungs- und Wirkungszusammenhängen verortet und von anderen (älteren) Gattungen pharmazeutischer Literatur wie Dispensatorien und Pharmakopöen abgegrenzt, um auf dieser Basis, den Wissensbestand der Pharmazie zwischen Kunst, Handwerk und Wissenschaft in einer Umbruchsphase der Verwissenschaftlichung und Professionalisierung an der Schwelle zur modernen industriellen Pharmazie zu erfassen. Darauf aufbauend wird in einem weiteren Schritt diese Teleologie auf der Basis einer weiteren praxisnahen pharmazeutischen Textsorte – der Rezeptsammlung – überprüft und hinterfragt, woraus sichtbar wird, wie das überlieferte und tradierte Erfahrungswissen des Apothekers keineswegs nur in Opposition zur zunehmend abstrakten ›scientia‹ der Pharmazie als Universitätsdisziplin und regulierter Profession zu sehen ist, vielmehr kann die Pharmazie als »science in action« auch als Keimzelle neuen Wissens und neuer industrieller Produktionsformen dienen.