Beschreibungslust. Gottfried Taubert: Rechtschaffener Tantzmeister (1717)
摘要
Wie wird aus dem privaten Körper ein beredter, öffentlicher? Welche Lehrmethoden und Leibesübungen sind am besten geeignet, um den Körper zu ›alphabetisieren‹? Gottfried Taubert gehört ›um 1700‹ zu jenen Tanzmeistern, die sich diesen Fragen widmen und ausgehend von der eigenen Berufspraxis eine soziale Bewegungslehre erarbeiten. Zentral ist hierbei die Unterscheidung zwischen dem »poetischen« und dem »prosaischen« Tanz, wobei letzterer alltägliche Bewegungen und Haltungen wie etwa das Gehen, Stehen und Sitzen – aber auch kommunikative Akte wie das Grüßen umfasst. Tauberts Hauptwerk Rechtschaffener Tantzmeister (1717) verdankt sich der intensiven Rezeption von Raoul Auger Feuillets Chorégraphie ou l'art de decrire la dance (1700), in dem Feuillet eine innovative Tanzschrift bekannt macht. Doch während das Format der Chorégraphie eine Verbindung von Lesen und Tanzen ermöglicht, entscheidet sich Taubert für eine Buchform, die das lesende Tanzen bzw. tanzende Lesen verhindert. Taubert schreibt ein Buch für angehende Tanzlehrer, die ihre Profession durchaus auch als eine publizistische begreifen.