Von Aufdingung, Gesellenmachen und Umfrage. Zur Kodifizierung von Handwerksbräuchen in Friedrich Frieses Der vornehmsten Künstler und Handwercker Ceremonial-Politica (1705–1716)
摘要
Es gerät leicht in den Hintergrund, dass die Kodifizierung handwerklicher Praktiken nicht bloß die manuellen Verrichtungen und Techniken betrifft, die die Herstellung und Instandhaltung der Produkte der mechanischen Künste und Handwerke bestimmen, sondern auch die symbolischen Handlungen umfasst, durch die Handwerke sich als Sozialgemeinschaften organisieren. Zwar ist unbestritten, dass die Transformationszeit zur gesellschaftlichen Moderne durch Projekte gekennzeichnet ist, die die oft geheim gehaltene technische Seite der Handwerke zu erfassen und außerhalb dieser nutzbar zu machen versuchen: Für eine solche »Entarkanisierung der handwerklichen Operationen«, wie Wolfhard Weber geschrieben hat, stehen neben der ab 1751 erscheinenden Encyclopédie von Denis Diderot und Jean le Rond d’Alembert auch Projekte wie das History of Trades-Programm, das die Royal Society of London unmittelbar nach ihrer Gründung im Jahr 1660 zu verfolgen begann, und die Descriptions des arts et métiers, die auf einen Auftrag von Jean-Baptiste Colbert an die Pariser Academie royale des sciences im Jahr 1675 zurückgehen, aber erst ab 1761 veröffentlicht wurden. Jedoch ist zu bemerken, dass neben diese groß angelegten Projekte schon früh, wenn auch deutlich seltener, Versuche treten, die oft nicht minder geheimen Riten verschiedener Handwerke festzuhalten und aus einer Gelehrtenperspektive zu erschließen