Dieser Beitrag untersucht die Entwicklung der Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die im Jahr 2024 ein Volumen von 59,3 Mrd. € erreichten. Der Anstieg ist nicht mengen‑, sondern vor allem preis- und strukturgetrieben. Besonders ins Gewicht fallen hochpreisige, patentgeschützte Arzneimittel, die 2024 rund 54 % der Gesamtkosten verursachten, jedoch nur 7 % der Verordnungen ausmachten. Die Analyse zeigt, dass die Steuerungswirkung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG), das 2011 in Kraft trat, durch strategische Marktpraktiken wie die „Orphanisierung“ geschwächt wird. Dadurch kommt es zunehmend zu einer Entkopplung zwischen Preis und therapeutischem Nutzen. Selbst Arzneimittel ohne belegten Zusatznutzen können hohe Erstattungsbeträge erzielen. Ein zentrales Merkmal des deutschen Systems ist das Fehlen eines systematisch eingesetzten Wirtschaftlichkeitskriteriums. Während viele internationale HTA‐Verfahren den medizinischen Zusatznutzen in Relation zu den Kosten bewerten, verharrt das deutsche Verfahren auf einer qualitativen Einstufung des Zusatznutzens. Eine standardisierte ökonomische Bewertungsrelation wird bislang nicht genutzt. Die Betrachtung der Daten über den Zeitverlauf verdeutlicht, dass kurzfristige Ad-hoc-Maßnahmen allenfalls temporäre Dämpfungseffekte hatten. Die strukturelle Dynamik bleibt hingegen unverändert preis- und strukturgetrieben. Damit zeigt sich, dass die langfristige Steuerbarkeit der Arzneimittelausgaben nur durch grundlegende Anpassungen in den arzneimittelpolitischen Rahmenbedingungen möglich ist.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Preis und Wirkung: Dynamiken der Arzneimittelkosten im Versorgungskontext

  • Salka Enners,
  • Michael Thiede

摘要

Dieser Beitrag untersucht die Entwicklung der Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die im Jahr 2024 ein Volumen von 59,3 Mrd. € erreichten. Der Anstieg ist nicht mengen‑, sondern vor allem preis- und strukturgetrieben. Besonders ins Gewicht fallen hochpreisige, patentgeschützte Arzneimittel, die 2024 rund 54 % der Gesamtkosten verursachten, jedoch nur 7 % der Verordnungen ausmachten. Die Analyse zeigt, dass die Steuerungswirkung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG), das 2011 in Kraft trat, durch strategische Marktpraktiken wie die „Orphanisierung“ geschwächt wird. Dadurch kommt es zunehmend zu einer Entkopplung zwischen Preis und therapeutischem Nutzen. Selbst Arzneimittel ohne belegten Zusatznutzen können hohe Erstattungsbeträge erzielen. Ein zentrales Merkmal des deutschen Systems ist das Fehlen eines systematisch eingesetzten Wirtschaftlichkeitskriteriums. Während viele internationale HTA‐Verfahren den medizinischen Zusatznutzen in Relation zu den Kosten bewerten, verharrt das deutsche Verfahren auf einer qualitativen Einstufung des Zusatznutzens. Eine standardisierte ökonomische Bewertungsrelation wird bislang nicht genutzt. Die Betrachtung der Daten über den Zeitverlauf verdeutlicht, dass kurzfristige Ad-hoc-Maßnahmen allenfalls temporäre Dämpfungseffekte hatten. Die strukturelle Dynamik bleibt hingegen unverändert preis- und strukturgetrieben. Damit zeigt sich, dass die langfristige Steuerbarkeit der Arzneimittelausgaben nur durch grundlegende Anpassungen in den arzneimittelpolitischen Rahmenbedingungen möglich ist.