Wert(e) und Kosten: Fairness und Wirtschaftlichkeit auf dem globalen Markt für HIV-Medikamente
摘要
In diesem Kapitel wird das Beispiel antiretroviraler (ARV) Medikamente zur Bekämpfung von HIV als Fallstudie herangezogen, um zu zeigen, wie eine erfolgreiche Arzneimittelpreisgestaltung stärker am Bedarf als an Kosten ausgerichtet werden kann. Dabei werden Lehren für einkommensstarke Länder wie Deutschland gezogen, die in der Umsetzung hinter ärmeren Ländern zurückbleiben. Es wird beschrieben, wie über drei Jahrzehnte hinweg durch Patentflexibilitäten, Generikawettbewerb, innovative Finanzierungen, öffentlich‐private Partnerschaften und große finanzielle Zusagen bi- und multilateraler Geldgeber ein Markt geschaffen wurde, in dem Anfang der 2000er Jahre eine hohe Nachfrage die Preise in mehreren Schritten deutlich reduzierte. Unermüdliches Engagement der Zivilgesellschaft und die Koordination aller Beteiligten trugen dazu bei, diesen Markt zu stabilisieren. Das Kapitel erläutert die sieben Phasen der Preisgestaltung für ARV‐Medikamente und zeichnet den Weg von der Monotherapie für Versicherte in einkommensstarken Ländern hin zur effektiven Kombinationstherapie für Mio. Menschen weltweit nach, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen und hoher HIV‐Prävalenz. Der Erfolg dieser Entwicklung ist unbestreitbar: HIV‐Infektionen wurden seit 1996 um 61 % auf 1,3 Mio. reduziert, AIDS‐bedingte Todesfälle um 70 % auf 630.000 gesenkt, und die Lebenserwartung von Menschen mit HIV konnte von wenigen Monaten auf eine durchschnittliche Lebensdauer verlängert werden. Der Beitrag zeigt jedoch auch, wie schwierig es ist, diese Prinzipien auf die Schaffung von Märkten für den präventiven Einsatz von ARV zu übertragen. Abschließend werden die möglichen Folgen der jüngsten drastischen Kürzungen der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit für den Gesundheitsbereich zusammengefasst, die die globalen Bemühungen zur Bekämpfung von AIDS gefährden, jahrzehntelange Fortschritte zunichtemachen und einen weltweiten Markt einschränken könnten, von dem sowohl Hersteller als auch Patientinnen und Patienten in einkommensstarken und einkommensschwachen Ländern profitieren.