Lebensqualität in Grenzen – Palliativmedizin
摘要
Die Entwicklung der Intensivmedizin ermöglicht vielfach das Überleben hochkomplex erkrankter, multimorbider oder älterer Patienten. Dennoch versterben Patienten während oder kurz nach der intensivmedizinischen Behandlung. Neben dem Ziel des Überlebens gewinnt zunehmend das Ziel einer verbesserten Lebensqualität Lebensqualitätan Bedeutung. Das zeigt die Notwendigkeit auf, vermehrt über Lebensqualität und Therapiebegrenzung nachzudenken – ein zentrales Anliegen der Palliativmedizin. Palliativmedizin fördert durch interprofessionelle Behandlung und Betreuung das physische, psychosoziale und spirituelle Wohlbefinden von Patienten und ihrer An- und Zugehörigen. Die palliativmedizinische Mitbehandlung trägt dazu bei, Therapiezielkonflikte Therapiezielkonfliktezu klären, symptomorientiert zu behandeln und moral distress in Behandlungsteams zu reduzieren. Gerade in Grenzsituationen bei unsicherem Behandlungsausgang ist es für alle Beteiligten hilfreich, sich mit dem möglichen Versterben auseinanderzusetzen. Dabei bedeutet Palliativmedizin nicht die Ankündigung sofortigen Versterbens; vielmehr können Angebote einer rechtzeitigen Integration interprofessioneller palliativmedizinischer Unterstützungsangebote dazu beitragen, Übertherapien mit langer Leidenszeit und eingeschränkter Lebensqualität zu verhindern. Auch wenn die Vorteile der Palliativversorgung, wie kürzere Liegedauer, höhere Angehörigenzufriedenheit und bessere Symptomlinderung, wissenschaftlich belegt sind und wesentlich zur Wahrung von Würde und Lebensqualität schwer kranker Menschen beitragen, bestehen weiterhin zahlreiche Missverständnisse, strukturelle Barrieren und eine unzureichende Ausbildung, die eine bedarfsgerechte Implementierung palliativmedizinischer Mitbehandlung in der Intensivmedizin verhindern. Sterben darf nicht als Scheitern, sondern muss als Teil des Lebens begriffen werden.