Einleitung
摘要
Insbesondere medizintechnologische Fortschritte, die demographische Entwicklung und veränderte Anspruchshaltungen innerhalb der Bevölkerung haben in den letzten Jahren zu einer bemerkenswerten Ausweitung intensivmedizinischer Behandlungen geführt – gerade auch bei älteren und/oder vielfach vorerkrankten Patienten. In vielen Fällen gelingt zumindest eine restitutio ad status quo ante. In vielen anderen Fällen aber überleben die Patienten die intensivmedizinische und gegebenenfalls eine langdauernde Rehabilitationsbehandlung nur mit erheblichen physischen und/oder psychischen Einschränkungen – oder aber sie versterben trotz Einsatzes stetig komplexer werdender lebensverlängernder Maßnahmen. Im Zuge der grundsätzlichen prognostischen Unsicherheit und der zunehmenden Ressourcenknappheit, nicht nur in Gesundheitssystemkrisen, gerät das Verhältnis zwischen Nutzen und Schaden der modernen Intensivmedizin zunehmend in den Fokus: Das patientenindividuell zu erreichende „Gute“ als Behandlungsziel kann sich einerseits nicht an der Anwendung technisch möglicher Organersatzverfahren allein bemessen, andererseits aber auch nicht ausschließlich auf Patientenwünsche rekurrieren. Gerade im belastenden Alltag der Intensivmedizin, in dem medizinische, ethische, juristische und menschliche Aspekte oft untrennbar miteinander verwoben sind, erscheint es zur Bewältigung der allfälligen Herausforderungen für Kliniker von zentraler Bedeutung, sich ein reflektiertes ethisches Fundament zu erarbeiten und ein gutes ethisches Klima zu schaffen. Ziel ist es, die Fähigkeit zu erlangen und zu erhalten, medizinisch sinnvoll Machbares mit dem individuellen Willen der Patienten in Einklang zu bringen.