Zwischen demokratischer Normativität und Kapitallogik: Zur Kritik der Medienethik
摘要
Als deskriptive Ethik fragt Medienethik, was in der gängigen Medienpraxis moralisch gerechtfertigt werden kann. Als normative Ethik bewertet sie Medienpraktiken und fragt, welche Werte und Normen vernünftigerweise gelten sollten. Oberster Wert ist dabei die Verantwortung. Professionell mediales Handeln basiert indessen auf den Imperativen seiner ökonomischen Bedingungen; die werden in der Medienethik jedoch nicht zur Disposition gestellt. Ihre Argumentationsstruktur ist zirkulär, weil sie die Kategorie der Verantwortung auf den Wert der demokratischen Freiheit zurückführt und diese nicht nur als Idealgrund, sondern auch als Realgrund der Verantwortung bestimmt. Mit dem Rekurs auf Verantwortung lässt sich so gut wie jedes Handeln irgendwie rechtfertigen, wenn nicht präzise auf die Handlungszwecke eingegangen und die eingesetzten Mittel bewertet werden. Statt auf Verantwortung könnte Medienethik auf das Konzept Verständigung zurückgreifen oder auf die Konzepte Verweigerung und Umfunktionierung. Darüber hinaus könnte die ethische Reflexion der Medienpraxis Kontur gewinnen, wenn das Verbot, Menschen zu instrumentalisieren, zum zentralen Begründungsargument gemacht wird.