Intermedialität bezeichnet den Fall, dass ein Artefakt nicht sauber einem Medium zuzuordnen ist, sondern sich als verschiedenen Medien zugehörig erweist. Die mit dem Begriff der Intermedialität verbundenen Debatten sind dabei vor allem an der Schnittstelle technischer Medien und ästhetischer Medien im Sinne der Gattungen der Künste geführt worden (Rajewsky 2002: 6–27 u. Robert 2004: 7–29): Die Oper weist sowohl Aspekte des Theaters wie der Musik auf, die Werke der konkreten Poesie sind gleichermaßen literarische wie graphische Arbeiten, viele Werke der Medienkunst operieren mit unterschiedenen technischen Medien wie Film, Fotografie und Computer. Die drei genannten Fälle sind natürlich durchaus unterschiedlich (siehe als Vorschlag für eine Typologie Wolf 1998): Könnte man im Fall der Oper von Intermedialität im Sinne einer Kombination verschiedener Medien sprechen, so ist der Fall der konkreten Poesie sicherlich als Hybridisierung von Literatur und Graphik zu beschrieben. Logisch setzt die Redeweise von Intermedialität dabei immer voraus, dass es vorgängig unterschiedene Medien gibt, im Verhältnis zu denen sich bestimmte Artefakte eben intermedial ausnehmen. Da Medien allerdings etwas sind, was sich historisch entwickelt und was – auch im Sinne der Konvergenz oder Aufteilung von vormals unterschiedenen bzw. ununterschiedenen Medien – entstehen und vergehen kann, trägt jede Antwort auf die Frage, ob ein Artefakt intermedial verfasst ist, unweigerlich selbst einen historischen Index: Was ehedem ein paradigmatischer Fall der Literatur gewesen sein mag, nämlich Texte, die immer auch eine irreduzibel graphische Dimension haben, mag im Gefolge der medialen Revolution des Buchdrucks ein Sonderfall oder Grenzfall derselben geworden sein (McLuhan 1968). Jerrold Levinson (1984) hat argumentiert, dass die Frage, ob ein Kunstwerk hybride sei oder nicht, immer auch eine Frage des zugrunde gelegten historischen Maßstabs sei.

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Intermedialität

  • Daniel Martin Feige

摘要

Intermedialität bezeichnet den Fall, dass ein Artefakt nicht sauber einem Medium zuzuordnen ist, sondern sich als verschiedenen Medien zugehörig erweist. Die mit dem Begriff der Intermedialität verbundenen Debatten sind dabei vor allem an der Schnittstelle technischer Medien und ästhetischer Medien im Sinne der Gattungen der Künste geführt worden (Rajewsky 2002: 6–27 u. Robert 2004: 7–29): Die Oper weist sowohl Aspekte des Theaters wie der Musik auf, die Werke der konkreten Poesie sind gleichermaßen literarische wie graphische Arbeiten, viele Werke der Medienkunst operieren mit unterschiedenen technischen Medien wie Film, Fotografie und Computer. Die drei genannten Fälle sind natürlich durchaus unterschiedlich (siehe als Vorschlag für eine Typologie Wolf 1998): Könnte man im Fall der Oper von Intermedialität im Sinne einer Kombination verschiedener Medien sprechen, so ist der Fall der konkreten Poesie sicherlich als Hybridisierung von Literatur und Graphik zu beschrieben. Logisch setzt die Redeweise von Intermedialität dabei immer voraus, dass es vorgängig unterschiedene Medien gibt, im Verhältnis zu denen sich bestimmte Artefakte eben intermedial ausnehmen. Da Medien allerdings etwas sind, was sich historisch entwickelt und was – auch im Sinne der Konvergenz oder Aufteilung von vormals unterschiedenen bzw. ununterschiedenen Medien – entstehen und vergehen kann, trägt jede Antwort auf die Frage, ob ein Artefakt intermedial verfasst ist, unweigerlich selbst einen historischen Index: Was ehedem ein paradigmatischer Fall der Literatur gewesen sein mag, nämlich Texte, die immer auch eine irreduzibel graphische Dimension haben, mag im Gefolge der medialen Revolution des Buchdrucks ein Sonderfall oder Grenzfall derselben geworden sein (McLuhan 1968). Jerrold Levinson (1984) hat argumentiert, dass die Frage, ob ein Kunstwerk hybride sei oder nicht, immer auch eine Frage des zugrunde gelegten historischen Maßstabs sei.