Medientaktilität revisited
摘要
Der Beitrag entwickelt eine medienphilosophische Perspektive auf Medientaktilität und untersucht deren Bedeutung im Kontext digitaler Medien. Ausgehend von einer begrifflichen Bestimmung des Taktilen als zentralem Modus menschlicher Wahrnehmung wird gezeigt, dass Taktilität nicht auf haptisches Empfinden beschränkt ist, sondern als Gemeinsinn alle Sinne integriert. Der Tastsinn wird dazu mithin nicht als isolierte Sinnesmodalität, sondern als integratives Konzept im Sinne einer ganzheitlichen Aisthesis verstehbar. Ausgehend von physiologischen und philosophischen Bestimmungen des Taktilen wird entsprechend gezeigt, dass Taktilität eine epistemische Schlüsselfunktion für die Vermittlung von Wahrnehmung, Handlung und Sinn besitzt. Anknüpfend an klassische Medientheorien werden Medien als Erweiterungen menschlicher Sinne verstanden, wobei der Tastsinn eine besondere Rolle für Präsenz, Interaktion und Weltaneignung einnimmt. Ergänzend wird die Phänomenologie der Geste herangezogen, um die medienpraktische Dimension des Machens, der Hand und der Werkzeugnutzung zu analysieren. Im Fokus stehen dabei Mediengesten als Schnittstellen zwischen Mensch und Technik, insbesondere im digitalen Raum. Gesten wie Knopfdruck, Tippen oder Wischen werden als kulturell geprägte Handlungen beschrieben, die technische Komplexität bündeln und zugleich Wahrnehmung, Handlung und Entscheidung strukturieren. Besonderes Augenmerk gilt der Kulturtechnik des Wischens, die als paradigmatische taktile Mediengeste mobiler digitaler Geräte fungiert. Sie wird sowohl historisch-etymologisch als auch medienästhetisch eingeordnet und als Ausdruck einer neuen, körperlich vermittelten Medienpraxis interpretiert. Der Beitrag argumentiert, dass eine Philosophie der Medientaktilität nur interdisziplinär zu entwickeln ist und Medien, Design, Technik und Körper als untrennbar miteinander verschränkt begreift. Taktilität erweist sich dabei als Schlüsselbegriff für das Verständnis digitaler Medienkultur und ihrer erkenntnistheoretischen Implikationen.