Für literarische Texte lassen sich die für sie relevanten Erinnerungskulturen nicht zuletzt durch die dem Erinnern zugeschriebene Funktion unterscheiden. Neben den größeren historisch-kulturellen Entwürfen zum künstlerischen Erfassen und konstruktiven Vergegenwärtigen des Vergangenen erscheinen besonders ab den ausgehenden 1960er-Jahren kleinere, individuell-subjektive Erinnerungen für sich aufzeichnungswürdig. Diese literarischen Aufzeichnungen sind bestimmt von der Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur, oft vertreten durch die Elterngeneration, sowie dem Paradigma der Psychoanalyse und des Verdrängungsnarrativs und manifestieren sich (formal) markant in einer Welle autobiographischer Romane. Deren implizite Auseinandersetzung mit Erinnerung und Gedächtnis geht den explizit geführten Diskursen ab den 1990er-Jahren zeitlich voraus und ist in ihrer Bedeutung für die Möglichkeit und Qualität dieser (für die Gegenwartsliteratur) viel diskutierten, einschlägigen Fragestellungen eingehend zu reflektieren.

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Die Vielschichtigkeit der Erinnerungsfrage und der autobiographische Roman der ‚langen 1970er-Jahre‘

  • Helmut Grugger

摘要

Für literarische Texte lassen sich die für sie relevanten Erinnerungskulturen nicht zuletzt durch die dem Erinnern zugeschriebene Funktion unterscheiden. Neben den größeren historisch-kulturellen Entwürfen zum künstlerischen Erfassen und konstruktiven Vergegenwärtigen des Vergangenen erscheinen besonders ab den ausgehenden 1960er-Jahren kleinere, individuell-subjektive Erinnerungen für sich aufzeichnungswürdig. Diese literarischen Aufzeichnungen sind bestimmt von der Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur, oft vertreten durch die Elterngeneration, sowie dem Paradigma der Psychoanalyse und des Verdrängungsnarrativs und manifestieren sich (formal) markant in einer Welle autobiographischer Romane. Deren implizite Auseinandersetzung mit Erinnerung und Gedächtnis geht den explizit geführten Diskursen ab den 1990er-Jahren zeitlich voraus und ist in ihrer Bedeutung für die Möglichkeit und Qualität dieser (für die Gegenwartsliteratur) viel diskutierten, einschlägigen Fragestellungen eingehend zu reflektieren.