Sichtbares Erinnern: Narrative und visuelle Strategien in Aber ich lebe: Vier Kinder überleben den Holocaust (2022)
摘要
Die Anthologie Aber ich lebe: Vier Kinder überleben den Holocaust (2022) vereint vier autobiografische Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden, die das Geschehen als Kinder erfuhren. Erzählt in Form von Graphic Memoirs und ergänzt durch kommentierende Anhänge, reflektiert das Werk sowohl individuelle Erfahrungen als auch deren mediale Aufbereitung. Diese Arbeit analysiert die narrativen und visuellen Strategien der Anthologie und beleuchtet deren Beitrag zur gegenwärtigen Erinnerungskultur. Vor dem Hintergrund des Verschwindens der Zeitzeug*innen treten neue, multimodale Formate in den Vordergrund. Graphic Memoirs bieten einen emotionalen Zugang zu traumatischen Erfahrungen und machen die Prozesse des Erinnerns, geprägt von Fragmentierung, Unsicherheit und subjektiver Wahrnehmung – selbst sichtbar. Dabei kommt es zur Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart, was insbesondere durch wechselnde Fokalisierungen und die Darstellung paralleler Zeitebenen betont wird. Zentrale Bedeutung kommt auch den Peritexten zu, die die Entstehung dokumentieren und die Rolle der Künstler*innen reflektieren. Die aktive Einbindung der Zeitzeug*innen sowie der dokumentarische Anspruch der Autor/innen verleihen dem Projekt zusätzliche Authentizität. Die Studie untersucht diese komplexe Interaktion aus narratologischer, semiotischer und erinnerungskultureller Perspektive. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Anthologie weit über eine bloße Dokumentation hinausgeht. Sie fungiert zugleich als Speichergedächtnis individueller Erfahrungen und als Funktionsgedächtnis, das historische Bildung und gesellschaftliche Auseinandersetzung fördert. Aber ich lebe demonstriert eindrücklich das Potenzial grafischer Literatur, Erinnerungen zu bewahren und für künftige Generationen erfahrbar zu machen (Dieser Beitrag stellt eine Synopse meiner Masterarbeit Der Holocaust in der Graphic Novel. Zur Darstellung der Shoah Erinnerung in dem multimodalen Projekt ‚Aber ich lebe: Vier Kinder überleben den Holocaust‘ (2022) dar, die im Jahr 2023 an der Norwegian University of Science and Technology eingereicht wurde).