Gegenwartsliterarisches Erinnern an Kriegsende und frühe Nachkriegszeit
摘要
Bei näherer Betrachtung der literarischen Produktion der letzten Jahre stößt man auf Texte, die erkennen lassen, in welchem Maße Erinnerung an deutsche Vergangenheit immer noch als eine unerlässliche Voraussetzung für das Verständnis der Gegenwart angesehen wird. Ralf Rothmanns Trilogie über den Zweiten Weltkrieg und die unmittelbare Nachkriegszeit ist eines der vielen einschlägigen Beispiele für den Trend der ‚Reflexivwerdung von Erinnerung‘, den man in der Gegenwartsliteratur beobachten kann. Im Zentrum des Beitrags steht die Frage, wie Erinnerung an das Kriegsende und die unmittelbare Nachkriegszeit in Romanen aus jüngster Zeit literarisch umgesetzt, artikuliert, fiktionalisiert, interpretiert, ästhetisch inszeniert und reflektiert wird. Aufschlussreich sind in dieser Perspektive vor allem die Fragen nach den Kontexten des Erinnerns, lebensgeschichtlich und lebensweltlich. Die folgenden Überlegungen zielen auf die systematische Ermittlung von Ähnlichkeiten und Unterschieden in der literar-ästhetischen Darstellung von Kriegsende und früher Nachkriegszeit in der Gegenwartsliteratur. In den analysierten Beispielen dominiert Geschichte als Determinante für das individuelle Selbstverständnis. Die untersuchten Romane positionieren sich als Erinnerungsliteratur an der Schnittstelle zwischen biografischer Ich-Erinnerung und Erinnerungskultur, zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis.