(Mit) KI erinnern – Narrative Künstlicher Intelligenz in Technologie und Literatur
摘要
Der Beitrag untersucht aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive, wie Erinnern, Gedächtnis und Technologien in Zusammenhang stehen. Dabei werden einerseits Narrative über Erinnerungstechnologien in den Blick genommen und die Frage erörtert, wie sie unser Verständnis von Gedächtnis und Erinnern formen. Andererseits ergründet der Beitrag, wie Erinnerungstechnologien auf kulturelle Imaginationen zurückwirken. Nach einer theoretischen Verortung im Schnittfeld von Erinnerungsforschung und Digital Humanities zeichnet der Aufsatz motivgeschichtliche Linien von antiken Golem- und Pandora-Figuren bis zu zeitgenössischen KI-Darstellungen nach und beleuchtet dabei den beständigen Austausch zwischen Fiktionalität und Faktualität. Anhand ausgewählter Beispiele, etwa Raphaela Edelbauers Roman DAVE, die Black Mirror-Folge The Entire History of You und aktuelle Anwendungen wie Google Fotos, Project Astra oder Microsoft Recall, zeigt der Text, wie Visionen totaler Erinnerung einerseits kulturkritische Dystopien, andererseits reale Produktdesigns inspirieren. Die Analyse legt offen, dass maschinelle „Gedächtnisse“ vor allem als kybernetische Archive fungieren, denen performative Selektions- und Interpretationsleistungen des menschlichen Erinnerns fehlen. Darauf aufbauend diskutiert der Beitrag didaktische Implikationen für einen postdigitalen Literatur- und Medienunterricht: Fiktionale Zukunftsentwürfe dienen hier als Katalysatoren für Technikfolgenabschätzung, Medienreflexion und die Dekonstruktion vermeintlich scharfer Grenzen zwischen Fakten und Fiktionen. Insgesamt plädiert der Aufsatz für einen Digitalen Humanismus, der anthropomorphisierende KI-Diskurse kritisch hinterfragt und Erinnerung als stets vorläufige, kulturell ausgehandelte Praxis begreift.