Das neunte Hauptstück (156 Aphorismen) bildet den Abschluss von Menschliches und das Gegenstück zu Der Mensch im Verkehr. Im Zentrum steht die Selbstbegegnung des Menschen in der Einsamkeit. Nietzsche beschreibt einerseits alltägliche psychologische Beobachtungen – über Eigenliebe, Arbeit, Eitelkeit, Schwermut, Lebensalter oder Selbsttäuschung – und andererseits Grundbestimmungen des philosophischen Lebens. Er grenzt die Philosophie von der Dichtung ab, die das Leben verklärt, anstatt es zu betrachten, wie es wirklich ist. Überzeugungen stellen sich als ›gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen‹ heraus, da sie den Suchenden an Dogmen binden. Während den ›Freigeistern‹ der politische Sendungsauftrag nahegelegt wird, werden die ›freien Geister‹ mit dem Streben nach Selbsterkenntnis verbunden. Damit kehrt er zu seiner eigenen Krise zurück: Wahrheit erscheint nicht mehr als Verhängnis, sondern als heilendes Gegengift gegen Irrtümer und Ideologien. Das Hauptstück schließt mit der Einsicht, dass Philosophie ein fortwährender Prozess der Selbsterkenntnis bleibt und das philosophische Leben nur im Spannungsverhältnis zwischen Rückzug und Öffentlichkeit gelingen kann.

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Neuntes Hauptstück. Der Mensch mit sich allein

  • Katharina Zech

摘要

Das neunte Hauptstück (156 Aphorismen) bildet den Abschluss von Menschliches und das Gegenstück zu Der Mensch im Verkehr. Im Zentrum steht die Selbstbegegnung des Menschen in der Einsamkeit. Nietzsche beschreibt einerseits alltägliche psychologische Beobachtungen – über Eigenliebe, Arbeit, Eitelkeit, Schwermut, Lebensalter oder Selbsttäuschung – und andererseits Grundbestimmungen des philosophischen Lebens. Er grenzt die Philosophie von der Dichtung ab, die das Leben verklärt, anstatt es zu betrachten, wie es wirklich ist. Überzeugungen stellen sich als ›gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen‹ heraus, da sie den Suchenden an Dogmen binden. Während den ›Freigeistern‹ der politische Sendungsauftrag nahegelegt wird, werden die ›freien Geister‹ mit dem Streben nach Selbsterkenntnis verbunden. Damit kehrt er zu seiner eigenen Krise zurück: Wahrheit erscheint nicht mehr als Verhängnis, sondern als heilendes Gegengift gegen Irrtümer und Ideologien. Das Hauptstück schließt mit der Einsicht, dass Philosophie ein fortwährender Prozess der Selbsterkenntnis bleibt und das philosophische Leben nur im Spannungsverhältnis zwischen Rückzug und Öffentlichkeit gelingen kann.