Genetik menschlichen Verhaltens
摘要
Die Erblichkeit von Verhaltensweisen beträgt niemals 100 % –die soziale Umwelt hat vielmehr immer einen mehr oder weniger großen Einfluss. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Genetik unser Verhalten nicht vollständig festlegt (determiniert), sondern vielmehr nur einen Rahmen vorgibt und zu einem Verhalten prädisponiert. Es geht in der Genetik auch nicht darum, Wertungen einzuführen – obwohl pro-soziales Verhalten moralisch anders bewertet wird als Aggressivität. Wir verstehen aber am Ende des Kapitels vielleicht leichter, warum gesellschaftliche Normen nicht immer oder nur schwer erreichbar sind. Neuronale Korrelate sozialer Interaktionen stellen die System der Spiegelneurone und die von-Economo-Neurone dar. Wir finden sie vor allem im cingulären Cortex, der Amygdala und der Insula. Soziabilität als Oberbegriff für soziales Verhalten (Empathie, soziale Kognition, soziale Fähigkeiten, soziale Kompetenz oder soziales Funktionieren) folgt in der Bevölkerung der Form einer Gauss’schen Normalverteilung. Die Untersuchung der Extremen ermöglicht auch eine genetische Analyse. An den Extrempositionen der Soziabilität (Hypo- bzw. Hypersoziabilität) sind vor allem die Gene UBE3A und GTF2I beteiligt. Durch unterschiedliche genetische Mechanismen wird die Expression dieser Gene erhöht oder vermindert und so Soziabilität in die eine oder andere Richtung beeinflusst. Oxytocin und Vasopressin sind zwei evolutionär alte Nonapeptide, die in verschiedenen Gehirnregionen aus Vorläuferproteinen abgespalten werden und peripher als Hormone und im Gehirn als Neurotransmitter wirksam sind. Die Gene für den Oxytocin-Rezeptor und für die Vasopressin-Rezeptoren sind zwar hochkonserviert, aber sie besitzen auch eine Vielzahl von polymorphen Regionen, die in unterschiedlicher Weise mit prosozialem Verhalten oder Störungen aus dem Autismus-Spektrum assoziiert sind. Offensichtlich ist die Verteilung dieser Rezeptoren in Gehirnen von Männern und Frauen unterschiedlich. Die Gesichtserkennung ist zwar weitgehend genetisch determiniert (z. B. Mutationen im MCTP2-Gen), aber Oxytocin ist (geschlechtsabhängig) mit emotionalen Aspekten der Gesichtserkennung verbunden. Der Neurotransmitter Dopamin und seine fünf G-Protein gekoppelten Rezeptoren bilden das dopaminerge System; es ist an der Regulation von Bewegungen und zusammen mit dem opioiden System am Belohnungs- und Suchtverhalten beteiligt. Der Opioid-Rezeptor μ und seine endogenen Liganden b-Endorphin und Enkephaline lindern Schmerzen und Stress.