Der Homo sapiens ist in Afrika vor über 300.000 Jahren entstanden; die afrikanische Bevölkerungsstruktur war allerdings so dynamisch, dass der moderne Mensch möglicherweise mehrere Wurzeln hat. Vor ~70.000 breitete sich der moderne Mensch über Afrika hinaus aus, wobei es Migrationsbewegungen auch wieder nach Afrika zurück gegeben hat. In der Zeit, als Neandertaler, Denisova-Menschen und moderne Menschen zusammen in Europa und Sibirien lebten, kam es immer wieder zu Kontakten zwischen den Populationen. Diese Vermischung können wir einerseits in der DNA von archaischen Skelettresten als auch in der DNA heute lebender Menschen nachweisen. Nach dem letzten eiszeitlichen Maximum breiteten sich moderne Menschen über die ganze Welt aus. Dabei bildeten sich immer neue Populationsgruppen, die sich vermischten, wieder trennten und miteinander um Lebensräume konkurrierten. Dabei gab es Gewinner und Verlierer, so dass manche genetischen Marker in bestimmten Regionen nach einiger Zeit nicht mehr vorkommen und durch andere ersetzt wurden. Vor ~5000 Jahren breiteten sich Populationen aus der pontisch-kaspischen Steppe nach Westen aus und führten dadurch zu starken Umwälzungen der Bevölkerungsstruktur in Europa. Vor allem die Y-chromosomale Haplogruppe R1b dominiert seither in Europa. In der Bronze- und Eisenzeit entwickelten sich um das Mittelmeer viele Hochkulturen mit zeitweisen regionalen genetischen Isolationen, aber auch mit häufigem genetischen Austausch. Klimatische Veränderungen (Dürre) erzwangen im östlichen Mittelmeerraum am Ende der Bronzezeit Wanderungsbewegungen und führten zu beachtlichen politischen Verwerfungen. Amerika wurde nach der letzten großen Eiszeit von Sibirien ausgehend besiedelt, wobei neben der Route an der Pazifik-Küste auch eisfreie Korridore im Landesinneren möglich waren. Während die Populationen im Norden überwiegend als Jäger, Fischer und Sammler lebten, entwickelten sich in Mittel- und Südamerika bald sesshafte, bäuerliche Kulturen als Vorstufen zu späteren Hochkulturen. Die Eroberung Amerikas durch die Europäer veränderte die Populationen in Nord-, Mittel- und Südamerika erheblich.

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Der moderne Mensch: Homo sapiens

  • Jochen Graw

摘要

Der Homo sapiens ist in Afrika vor über 300.000 Jahren entstanden; die afrikanische Bevölkerungsstruktur war allerdings so dynamisch, dass der moderne Mensch möglicherweise mehrere Wurzeln hat. Vor ~70.000 breitete sich der moderne Mensch über Afrika hinaus aus, wobei es Migrationsbewegungen auch wieder nach Afrika zurück gegeben hat. In der Zeit, als Neandertaler, Denisova-Menschen und moderne Menschen zusammen in Europa und Sibirien lebten, kam es immer wieder zu Kontakten zwischen den Populationen. Diese Vermischung können wir einerseits in der DNA von archaischen Skelettresten als auch in der DNA heute lebender Menschen nachweisen. Nach dem letzten eiszeitlichen Maximum breiteten sich moderne Menschen über die ganze Welt aus. Dabei bildeten sich immer neue Populationsgruppen, die sich vermischten, wieder trennten und miteinander um Lebensräume konkurrierten. Dabei gab es Gewinner und Verlierer, so dass manche genetischen Marker in bestimmten Regionen nach einiger Zeit nicht mehr vorkommen und durch andere ersetzt wurden. Vor ~5000 Jahren breiteten sich Populationen aus der pontisch-kaspischen Steppe nach Westen aus und führten dadurch zu starken Umwälzungen der Bevölkerungsstruktur in Europa. Vor allem die Y-chromosomale Haplogruppe R1b dominiert seither in Europa. In der Bronze- und Eisenzeit entwickelten sich um das Mittelmeer viele Hochkulturen mit zeitweisen regionalen genetischen Isolationen, aber auch mit häufigem genetischen Austausch. Klimatische Veränderungen (Dürre) erzwangen im östlichen Mittelmeerraum am Ende der Bronzezeit Wanderungsbewegungen und führten zu beachtlichen politischen Verwerfungen. Amerika wurde nach der letzten großen Eiszeit von Sibirien ausgehend besiedelt, wobei neben der Route an der Pazifik-Küste auch eisfreie Korridore im Landesinneren möglich waren. Während die Populationen im Norden überwiegend als Jäger, Fischer und Sammler lebten, entwickelten sich in Mittel- und Südamerika bald sesshafte, bäuerliche Kulturen als Vorstufen zu späteren Hochkulturen. Die Eroberung Amerikas durch die Europäer veränderte die Populationen in Nord-, Mittel- und Südamerika erheblich.