Die Signalübertragung durch Acetylcholin, die cholinerge Neurotransmission, ist essenziell für kognitive Prozesse im menschlichen Gehirn. Sie ist bei der Alzheimer-Krankheit gestört. Die kausale Beziehung – gestörte cholinerge Übertragung und nachfolgender Gedächtnisverlust – bildete die Grundlage für die cholinerge Hypothese der Alzheimer-Krankheit. Dieses erste wirkliche Erklärungsmodell war dann auch der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines ersten Alzheimer-Medikaments aus der Wirkgruppe der sogenannten Acetylcholinesterase-Hemmstoffe (AChE). Der Verlust der cholinergen Neurotransmission konnte damit pharmakologisch im synaptischen Spalt kompensiert werden. Im Jahr 1991 wurde dann ein solcher Hemmstoff, das Medikament Tacrin, in den USA für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit zugelassen. Obwohl dies sicherlich ein bahnbrechender Fortschritt in der Alzheimer-Forschung war, wurde später klar, dass AChE-Hemmer vor allem klinische Krankheitssymptome lindern, die Degeneration der Neuronen aber nicht stoppen, die Krankheit somit nicht heilen können. Bis heute sind die drei AChE-Hemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin für die Alzheimer-Therapie zugelassen. Während mit der cholinergen Hypothese die Alzheimer-Krankheit als ein Acetylcholin-Mangelsyndrom definiert wurde und erste Medikamente im klinischen Einsatz waren, gab es wenig Fortschritte in der Beantwortung der Frage nach dem initialen frühen Auslöser, der Ursache dieser pathologischen Ereignisse. Etwa zur gleichen Zeit (Ende der 1970er-Jahre) erregte ein kurzes Editorial von Robert Katzman großes Aufsehen im Alzheimer-Feld und darüber hinaus. Katzman schlug vor, die senile und die präsenile Form der Krankheit zu einer ätiopathologischen Einheit zusammenzufassen, also als eine Krankheit mit der wahrscheinlich gleichen Ursache zu definieren. Die wenigen Zeilen dieses Editorials veränderten den Verlauf der Alzheimer-Forschung auf wissenschaftlicher und vor allem auch wissenschaftspolitischer Ebene nachhaltig.

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Die Cholinerge Hypothese der Alzheimer-Krankheit und Spotlight auf Alzheimer als „großen Killer“ in den 1970ern

  • Christian Behl

摘要

Die Signalübertragung durch Acetylcholin, die cholinerge Neurotransmission, ist essenziell für kognitive Prozesse im menschlichen Gehirn. Sie ist bei der Alzheimer-Krankheit gestört. Die kausale Beziehung – gestörte cholinerge Übertragung und nachfolgender Gedächtnisverlust – bildete die Grundlage für die cholinerge Hypothese der Alzheimer-Krankheit. Dieses erste wirkliche Erklärungsmodell war dann auch der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines ersten Alzheimer-Medikaments aus der Wirkgruppe der sogenannten Acetylcholinesterase-Hemmstoffe (AChE). Der Verlust der cholinergen Neurotransmission konnte damit pharmakologisch im synaptischen Spalt kompensiert werden. Im Jahr 1991 wurde dann ein solcher Hemmstoff, das Medikament Tacrin, in den USA für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit zugelassen. Obwohl dies sicherlich ein bahnbrechender Fortschritt in der Alzheimer-Forschung war, wurde später klar, dass AChE-Hemmer vor allem klinische Krankheitssymptome lindern, die Degeneration der Neuronen aber nicht stoppen, die Krankheit somit nicht heilen können. Bis heute sind die drei AChE-Hemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin für die Alzheimer-Therapie zugelassen. Während mit der cholinergen Hypothese die Alzheimer-Krankheit als ein Acetylcholin-Mangelsyndrom definiert wurde und erste Medikamente im klinischen Einsatz waren, gab es wenig Fortschritte in der Beantwortung der Frage nach dem initialen frühen Auslöser, der Ursache dieser pathologischen Ereignisse. Etwa zur gleichen Zeit (Ende der 1970er-Jahre) erregte ein kurzes Editorial von Robert Katzman großes Aufsehen im Alzheimer-Feld und darüber hinaus. Katzman schlug vor, die senile und die präsenile Form der Krankheit zu einer ätiopathologischen Einheit zusammenzufassen, also als eine Krankheit mit der wahrscheinlich gleichen Ursache zu definieren. Die wenigen Zeilen dieses Editorials veränderten den Verlauf der Alzheimer-Forschung auf wissenschaftlicher und vor allem auch wissenschaftspolitischer Ebene nachhaltig.