Die Alzheimer-Forschung geht in die Tiefe – die Elektronenmikroskopie hält Einzug
摘要
Mit der Einführung der Elektronenmikroskopie (EM) konnte die Mikromorphologie im Nanometer-Bereich (10−9 m) und damit ultrastrukturelle Details der Nervenzelle aufgelöst werden. Viele der EM-Analysen neuronaler Zellen und Geweben wurden in den 1960er-Jahren u. a. in den Laboren von Robert Terry und Michael Kidd durchgeführt. Mit dem EM waren somit viel tiefere Einblicke in die Feinstruktur von zellulären Anomalien, die mit der Alzheimer-Neurodegeneration verbunden sind, möglich. Das wachsende Interesse an Alois Alzheimers ursprünglichem Bericht zu Auguste Deter Ende der 1960er-Jahre, vor allem an den häufig zitierten offensichtlichen Plaques und Tangles, beförderte die internationale Alzheimer-Forschung vor allem in den USA; dort lag ab 1969 auch eine englische Übersetzung von Alzheimers Bericht von 1907 vor. Die post-mortem-Aufdeckung von Plaques und Tangles wurde zum ultimativen diagnostischen Beweis und zur eigentlichen pathologischen Bestätigung einer Diagnose, und aus „wahrscheinliche Alzheimer-Krankeit“ wurde „Alzheimer-Krankheit“. Die Trennung einer klinischen und biologischen Diagnose wurde eingeführt und der Fokus auf die Biologie (nicht auf die Klinik) und damit auf die offensichtlichen Marker-Proteine im krankhaften Gewebe erfährt bis heute Jahrzehnte später große Beliebtheit; das Plaques-und-Tangles-Konzept der Alzheimer-Krankheit, das Gleichsetzen der beiden sichtbaren Gewebeanomalien mit der Erkrankung, verfestigte sich immer mehr. In den 1980er-Jahren wurden dann u. a. mit chemischen Analyseverfahren weitere Veränderungen und Auffälligkeiten in Alzheimer-Geweben entdeckt, die die Plaques-und-Tangles-Sicht der Krankheit ergänzten.